11. August 2026

Vom Firmensitz zum Zukunftscampus: Wie Haniel den Franz-Haniel-Platz neu gedacht hat

Auf dem Haniel-Campus treffen mehr als 270 Jahre Geschichte auf neue Arbeitswelten, moderne Energieversorgung und ein wachsendes Angebot für Business-Events. Christian Ridder und Henrik Reineke über die Transformation eines besonderen Standorts – und darüber, warum Haniel in Duisburg-Ruhrort nicht nur bewahrt, sondern konsequent weiterentwickelt.

Luftbild vom Franz-Haniel-Platz
Historisch gewachsen, konsequent weiterentwickelt: Der Haniel Campus in Duisburg-Ruhrort steht für mehr als 270 Jahre Unternehmensgeschichte – und für einen Standort, der heute Arbeit, Austausch, Veranstaltungen und Gastronomie verbindet.

Wo Tradition auf Wandel trifft

Wer heute über den Franz-Haniel-Platz geht, sieht auf den ersten Blick einen Ort mit Geschichte. Das Packhaus von 1756, die denkmalgeschützte Hauptverwaltung, gewachsene Gebäude, alte Wege, viel Grün. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Hier ist in den vergangenen Jahren etwas Neues entstanden.

Aus dem traditionsreichen Firmensitz von Haniel ist ein moderner Business-Campus geworden – mit flexiblen Arbeitswelten, energieeffizienter Versorgung, professionellen Veranstaltungsflächen, ausgezeichneter Gastronomie und einem Gästehaus, das derzeit modernisiert wird. Ein Standort, der tief in der Haniel-Historie verwurzelt ist und zugleich deutlich zeigt, wie sich das Unternehmen die Zukunft vorstellt: offen, nachhaltig, vernetzt.

„Wir wollten den Campus nicht nur erhalten, sondern seine Geschichte weiterschreiben“, sagt Christian Ridder, Head of Campus Management. „Der Franz-Haniel-Platz ist ein besonderer Ort – für Haniel, aber auch für Ruhrort. Genau deshalb war es uns wichtig, ihn so weiterzuentwickeln, dass er auch künftig relevant bleibt.“

Ein Standort mit Geschichte: Haniel in Duisburg-Ruhrort

Haniel und der Franz-Haniel-Platz gehören seit mehr als 270 Jahren zusammen. 1756 ließ Jan Willem Noot vor den Toren der Hafenstadt Ruhrort das Packhaus errichten – Wohn- und Lagerhaus zugleich, heute Heimat des Haniel Museums (Link zur Story). Anfang der 1920er-Jahre folgte die Hauptverwaltung. Über Jahrzehnte entstand rund um diese Gebäude ein Ensemble aus Bürogebäuden, Wohnhäusern, Straßen und Grünflächen – bis 1986 schließlich der „Franz-Haniel-Platz“ als geschlossener Unternehmenssitz fertiggestellt wurde. Inzwischen ist der Standort deutlich mehr: ein Campus, der Arbeiten, Begegnungen, Veranstaltungen und Austausch verbindet.

Mehr Unternehmen, mehr Austausch – der Campus öffnet sich

Um das Jahr 2020 stand Haniel vor einer grundsätzlichen Frage: Wie lässt sich ein historisch gewachsener Standort mit elf Einzelgebäuden aus sehr unterschiedlichen Baujahren so weiterentwickeln, dass er zu modernen Arbeitsformen, neuen Anforderungen an Energieeffizienz und veränderten Nutzungsbedürfnissen passt?

Die Antwort war kein einzelnes Bauprojekt, sondern eine umfassende Transformation. Haniel modernisierte bestehende Gebäude, reduzierte durch hybride Arbeitsmodelle den eigenen Flächenbedarf und öffnete den Campus für weitere Unternehmen.

Heute arbeiten rund 50 Prozent mehr Menschen am Franz-Haniel-Platz als 2019 – verteilt auf rund 30 Unternehmen. Zur Campus-Gemeinschaft gehören unter anderem das norwegische Technologieunternehmen HydrogenPro, das belgische Unternehmen SeaFar für ferngesteuerte und besatzungsreduzierte Binnenschifffahrt, das Co-Creation Lab Place Beyond Bytes der Universität Duisburg-Essen und die Impact Factory, Deutschlands größter Inkubator und Accelerator für gemeinwohlorientierte Start-ups.

Für Christian Ridder war diese Öffnung ein zentraler Schritt: „Uns ging es nicht einfach darum, freie Flächen zu vermieten. Wir wollten eine lebendige Campus-Gemeinschaft schaffen – mit Unternehmen und Partnern, die den Standort bereichern.“

Energieeffizienz im Bestand: Die neue Versorgung des Haniel Campus

Eine der größten Aufgaben lag unter der Oberfläche – oder genauer gesagt: in der Energieversorgung. Denn der Campus ist kein Neubau auf der grünen Wiese, sondern ein historisch gewachsenes Ensemble mit Gebäuden aus unterschiedlichen Zeiten, verschiedenen Nutzungen und teils denkmalrechtlichen Anforderungen.

„Die Komplexität des Standorts war die eigentliche Herausforderung“, sagt Henrik Reineke, Lead Campus Services. „Jedes Gebäude bringt eigene Voraussetzungen mit. Deshalb genügte kein Standardkonzept.“

Gebäudemodernisierung und Energieversorgung wurden deshalb von Beginn an gemeinsam gedacht. Nach ersten Effizienzmaßnahmen wie LED-Umrüstung und intelligentem Energiemanagement begann 2022 die umfassende Transformation der Versorgung.

Heute erzeugen moderne Photovoltaik- und PVT-Anlagen auf den Dächern grünen Strom. Dieser betreibt leistungsstarke Wärmepumpen, die den Campus mit Wärme und Kälte versorgen. Ergänzend kommen Nahwärme, Nahkälte und Eisspeicher zum Einsatz. Das Ziel: die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und die CO₂-Emissionen deutlich senken und den Standort langfristig effizienter aufstellen.

„Wichtig war, die einzelnen Bausteine nicht isoliert zu betrachten“, erklärt Henrik Reineke. „Photovoltaik, Wärmepumpen, Kälteversorgung und Speicher greifen ineinander. Nur so entsteht ein System, das effizient arbeitet und gleichzeitig die Besonderheiten des Standorts berücksichtigt.“

Firmenzentrale NewOne als Paradebeispiel für "sanieren statt neu bauen"

Bei den Gebäuden setzte Haniel bewusst auf Weiterentwicklung statt Abriss. Ein sichtbares Beispiel ist die vollständig modernisierte Firmenzentrale „NewOne“. Seit April 2023 profitiert das Haniel-Team von den Vorzügen der ehemaligen Hauptverwaltung. Dort entstand eine Arbeitsumgebung mit flexibel wählbaren Zonen, Lounges, Meetingräumen, Telefonboxen und einer Bar als zentralem Treffpunkt. Damit ist NewOne nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch ein Ort für Austausch, Vorträge und interne Veranstaltungen.

Aletta Haniel Forum: Räume für Austausch und neue Ideen

Mit der Öffnung des Campus folgte auch der Veranstaltungsbereich diesem Gedanken: das unternehmerische Erbe sichtbar zu halten und zugleich Tagungsräume, Gastronomie und Übernachtung aus einer Hand anzubieten. Die frühere Haniel Akademie ist nun als Aletta Haniel Forum bekannt, die Gastronomie als Siebzehn56. Externe Unternehmen und Organisationen können hier bereits heute Tagungsräume und Gastronomie nutzen. Mit dem neu gestalteten Aletta Haniel Gästehaus, das ab Oktober 2026 eröffnet, wird das Angebot um hochwertige Übernachtungsmöglichkeiten ergänzt.

Eine Unternehmerin als Vorbild und Namensgeberin

Sichtbare Namensgeberin ist Aletta Haniel, die Mutter des Industriepioniers Franz Haniel. Als Witwe und vierfache Mutter führte sie die Geschäfte des Ruhrorter Betriebs zwischen 1782 und 1809 – und erschloss wichtige neue Geschäftsfelder. Wie keine andere verkörpere sie unternehmerischen Mut, Weitsicht und Gestaltungswillen, so Christian Ridder. Werte, die bis heute den Charakter des Forums prägten und die Grundlage für Austausch und zukunftsorientiertes Arbeiten schaffen sollen. 

Diesen Geist will das Campus-Team in seinem Angebot für Gäste weitertragen. Ob Tagung, Seminar, Offsite oder Konferenz – die Räume sollen sich jedem Format anpassen, von der kleinen Arbeitsrunde bis zur großen Veranstaltung. Unternehmen buchen dabei nicht nur einen Raum, sondern ein Rundum-sorglos-Paket aus einer Hand: Organisation, hybride Meetingtechnik und Verpflegung sind inklusive, damit sich Gäste ganz auf ihre Inhalte konzentrieren können. 

„Viele Veranstalter bieten Räume an“, sagt Christian Ridder. „Was unseren Standort ausmacht, ist der besondere Charakter dieses Campus.“ Wo vor 270 Jahren unternehmerischer Mut Geschichte geschrieben hat, entstehe Raum für neue Ideen. „Diese Atmosphäre spüren unsere Gäste – und nehmen sie mit.“

Wie das Siebzehn56 den Haniel Campus mit frischer Küche belebt

Ein wichtiger Baustein ist zudem das Restaurant Siebzehn56. Zwischen Dezember 2024 und April 2025 wurde die Gastronomie grundlegend umgestaltet. Neue Möbel und eine überarbeitete Akustik schaffen eine gemütliche Atmosphäre zum Verweilen, während eine moderne Küche hinter den Kulissen für frisch zubereitete Mahlzeiten sorgt. Herzstück des Angebots sind zwei täglich wechselnde, frisch gekochte Hauptgerichte – dazu frische Suppe, Salat und Desserts. Bei gutem Wetter lädt zudem der grüne Außenbereich direkt auf dem Haniel Campus zur Mittagspause im Freien ein.

„Das Siebzehn56 richtet sich nicht nur an Mitarbeitende, Mieter und Veranstaltungsgäste, sondern auch an externe Mittagsgäste aus der Umgebung“, sagt Christian Ridder. Täglich versorgt das Food Team rund 250 Personen mit frischen Mahlzeiten.

Ausgezeichnet: Siebzehn56 gehört zu Deutschlands besten Kantinen

Eine aktuelle Auszeichnung unterstreicht den Anspruch des Siebzehn56: Beim Kantinentest 2026 der Initiative Food & Health wurde das Betriebsrestaurant zu den besten Kantinen Deutschlands gewählt. Es gehört bundesweit zu den 37 prämierten Standorten, in Nordrhein-Westfalen zu den Top 8, und ist die einzige ausgezeichnete Kantine im Ruhrgebiet. Die Jury vergab vier rote Sterne – ein 4-Sterne-plus-Niveau – und bezeichnete das Siebzehn56 als „kulinarisches Highlight, das den Campus belebt und neue Mieter anzieht“.

Zukunft entsteht im Bestand

Die Transformation des Franz-Haniel-Platzes zeigt, wie sich ein historisch gewachsener Standort neu denken lässt – ohne seine Herkunft zu verlieren. Haniel hat nicht auf Neubau und radikale Veränderung gesetzt, sondern auf Sanierung, Öffnung und intelligente Weiterentwicklung.

So ist ein Campus entstanden, der wirtschaftlich eigenständiger agiert, neue Unternehmen anzieht, Veranstaltungen ermöglicht und den Duisburger Stadtteil Ruhrort belebt. Zugleich bleibt der Franz-Haniel-Platz ein besonderer Ort für Haniel.

Oder, wie Christian Ridder es zusammenfasst: „Der Campus steht für das, was Haniel seit jeher ausmacht: Bewahren, was wertvoll ist – und es so weiterentwickeln, dass daraus Zukunft entstehen kann.“

Autor

Marius Hoff

LinkedIn-Admin, Podcast-Fan und born & raised im Ruhrgebiet. Berichtet als Teil des Team Communications über spannende Entwicklungen und inspirierende Menschen aus der Haniel-Welt. Nächstes Ziel: Alle Portfoliounternehmen mit dem Rennrad besuchen.
Zurück