13. Mai 2025
Interview: Wie CWS Cleanrooms den Reinraum-Service neu definiert


Gesucht: Textilien, Verbrauchsgüter, Reinigung und Training aus einer Hand
Reinräume sind die unsichtbaren Werkbänke vieler Hightech-Industrien, von der Pharma- bis zur Halbleiterproduktion. Bislang mussten Unternehmen ihren Raumraum-Service jedoch aus verschiedenen Quellen beziehen, zum Beispiel für Textilien, Verbrauchsgüter oder Reinigung. Diese Lücke hat Haniels Portfoliounternehmen CWS Cleanrooms über mehrere Geschäftserweiterungen geschlossen und sich spätestens seit der Akquisition von STAXS® als Full-Service-Anbieter positioniert. Kunden haben nun die Wahl, einen bestimmten Teil des Angebots oder auch alles aus einer Hand zu beziehen.
Im Interview verraten Jon van der Weide und Johan-Detlef Dubbelboer, welche spezifischen Anforderungen die Unternehmen in diesem Umfeld stellen, weshalb Burghausen der ideale Standort für eine neue, hochmoderne Wäscherei ist und welche künftigen Wachstumschancen im Markt stecken.
Jon, du bist seit mehr als drei Jahrzehnten im Textil- und Wäschereigeschäft tätig, davon inzwischen sechs Jahre bei CWS Cleanrooms. Auch du, Johan-Detlef, kennst die Branche seit 25 Jahren. Welche besonderen Ansprüche stellen Kunden, die im Reinraum produzieren?
Jon van der Weide: CWS hat eine lange Tradition im Textilservice und bedient Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Industrien. Die Reinraumsparte ist insofern besonders, als Arbeitskleidung hier vor allem das Produkt schützen muss – und nicht wie sonst üblich, die Mitarbeitenden in gefährlichen Umgebungen. Das ist ein umgekehrter Ansatz.
Inwiefern?
Johan-Detlef Dubbelboer: Typische Reinraumanwender finden sich in den Life Sciences, also Biotechnologie, Pharmazeutika et cetera, oder in der Halbleiterfertigung. In all diesen Bereichen ist es absolut kritisch, dass Prozesse ohne jedwede Kontamination laufen. Im schlimmsten Fall würde das nämlich bedeuten, das ein Produkt wie ein Medikament nicht nur zerstört wird, sondern für Patientinnen und Patienten zur Gefahr werden kann.
Jon: Unsere Kleidung ist daher so gestaltet, dass sie zum Beispiel menschliche Hautschuppen im Inneren hält. Außerdem müssen wir in unseren Wäschereien selbst partikel- und keimfrei arbeiten, um die Wäsche in einem reinraumkompatiblen Zustand an unsere Kunden auszuliefern.


Eure persönliche Zusammenarbeit begann, als CWS Cleanrooms im Mai 2022 das Unternehmen STAXS® übernahm. Wie kam diese Partnerschaft zustande?
Jon: Über unseren Textil- und Wäschereiservice hatten wir bei CWS bereits enge Beziehungen zu zahlreichen Reinraumkunden aufgebaut und uns als Experten in diesem Servicesegment positioniert. Allmählich fragten uns die Unternehmen dann, ob wir nicht auch weitere Dienstleistungen und Produkte anbieten können. Das war der Startpunkt unseres Vorhabens, CWS Cleanrooms zu einem Full-Service-Anbieter weiterzuentwickeln. Hier kam dann auch STAXS® als Spezialist für Verbrauchsmaterialien ins Spiel.
Johan-Detlef: Mit Verbrauchsmaterialien sind übrigens alle Produkte gemeint, die neben Textilien für den Reinraumbetrieb benötigt werden. Das reicht von Handschuhen über Haarnetze, Tücher und Wischmopps bis hin zu Desinfektionsflüssigkeiten.


Verbrauchsprodukte sind naturgemäß für den einmaligen Gebrauch bestimmt. Wie ist das im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu bewerten?
Johan-Detlef: In dieser Branche führt kein Weg an Einmalprodukten vorbei. Kunden wollen nicht das geringste Risiko einer Kontamination eingehen. Vor sechs Jahren haben wir bei STAXS® dennoch entschieden, dass wir unsere Produkte und Prozesse nachhaltiger machen wollen. Heute sind wir sehr stolz darauf, zu den wenigen Unternehmen mit einer Platin-Auszeichnung von EcoVadis zu zählen. Dafür waren und sind viele kleine Schritte erforderlich. Recycling brachte uns beispielsweise zu der Frage, wie wir Stoffe so gestalten können, dass sich ihre Rohmaterialien später wieder in den Kreislauf bringen lassen. Aber es geht genauso um unsere Gebäude, wo wir inzwischen CO²-neutral arbeiten. Auch unsere Dienstwagenrichtlinie haben wir angepasst.
Vor der Partnerschaft mit STAXS® hat CWS Cleanrooms bereits andere Akquisitionen getätigt. So wurde zum Beispiel SSE übernommen, ein irischer Reinigungs-Spezialist; ebenso wie das deutsche Unternehmen profi-con, das neben der Reinraumreinigung auch Präsenz- und Online-Schulungen anbietet. Wie hat sich Positionierung von CWS Cleanrooms durch die Zusammenschlüsse verändert?
Jon: Im Markt haben wir dadurch ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Wir können die beste Gesamtlösung anbieten, unabhängig davon, ob Miettextilien oder Verbrauchsmaterialien gewünscht sind, ob es um die Reinigung von Reinräumen geht oder ein Kunde seine Mitarbeitenden schulen will. Johan-Detlef sagte eben, dass wir inzwischen fast ein Facility Manager für einen sehr spezifischen Produktionsbereich geworden sind.
Johan-Detlef: Stimmt. Wir schaffen damit einen echten Mehrwert für unsere Kunden. Sie können sich auf ihre wesentlichen Prozesse konzentrieren, während wir uns als Experten um das Drumherum kümmern.
CWS Cleanrooms hat im Frühjahr 2022 in den Bau einer hochmodernen Wäscherei in Burghausen investiert, seit 2024 läuft der Betrieb für den Service von Reinraumtextilien und -zubehör. Wie schwierig war dieser Schritt in gesamtwirtschaftlich herausfordernden Zeiten – und woher kam die Entscheidung für den Standort in Südostbayern?
Jon: Unser Geschäft mit Reinraumtextilien ist in den vergangenen fünf Jahren stetig gewachsen, und damit auch die Nachfrage nach Wäschereikapazitäten. Vor Burghausen haben wir während des Corona-Lockdowns sogar schon in Lauterbach, zwischen Frankfurt und Kassel, eine neue Wäscherei im Bestand entwickelt. Mit den beiden neuen Wäschereien konnten wir unsere Kapazitäten für die DACH-Region mehr oder weniger verdoppeln. Insofern war es im positiven Sinne ein notwendiger Schritt. Warum Burghausen? Weil der Standort aufgrund seiner Grenznähe hervorragend geeignet ist, um nicht nur Kunden in Deutschland zu bedienen, sondern auch in Österreich, der Schweiz, Tschechien oder weiteren osteuropäischen Ländern.
In der neuen Wäscherei in Burghausen setzt CWS Cleanrooms neben digitalisierten Prozessen auf nachhaltige Gebäudetechnik. 448 Photovoltaikmodule auf dem Dach der Einrichtung leisten ca. 180.000 Kilowatt Peak, wodurch sich allein bis zu 83 Tonnen CO² einsparen lassen. Die installierten Schnelldampferzeuger benötigen deutlich weniger Energie im Vergleich zu herkömmlichen Großwasserkesseln. Und die Kältemaschine im Außenbereich versorgt nicht nur die Lüftungsanlage, sondern liefert auch äußerst nützliche Abwärme, mit der das Prozesswasser vorgewärmt werden kann.
Welche Vorteile bietet die neue Wäscherei denn abgesehen vom günstigen Standort?
Jon: Der technische Stand der Einrichtung ist ein enormer Gewinn für unser tägliches Geschäft. Dank digitalem Track & Trace wissen wir genau, wo sich jeder einzelne Artikel befindet, wie oft er getragen wurde oder welche Prozesse er bei uns durchlaufen hat. Besonders gut gefallen uns die Investitionen in den nachhaltigen Betrieb der Wäscherei. Das verschafft uns auch langfristig gedacht einen großen Wettbewerbsvorteil.
Wieso sind trotz all der modernen Technik eigentlich noch so viele manuelle Schritte erforderlich?
Jon: Auch das liegt am besonderen Charakter eines Reinraums. Es ist nahezu unmöglich, diesen Bereich zu automatisieren, da Maschinen zwangsläufig Partikel produzieren würden, die in diesem Umfeld nichts zu suchen haben. Hinzu kommt die hohe Vielfalt an Produkten.
Was ist ein Reinraum?
Ein Reinraum ist eine speziell kontrollierte Umgebung, in der die Menge an Partikeln wie Staub, Mikroorganismen oder chemischen Dämpfen auf ein Minimum reduziert wird. Reinräume sind entscheidend für Industrien, die höchste Sauberkeit erfordern. Ausgefeilte Technologie ermöglicht die fehler- und verunreinigungsfreie Herstellung empfindlicher Produkte.


Merkmale
Luftfilterung
Hochleistungsfilter wie HEPA- (High Efficiency Particulate Air) und ULPA-Filter (Ultra Low Penetration Air) entfernen selbst kleinste Schwebstoffe aus der Luft.
Luftstromkontrolle
Laminare Luftströmung (unidirektionaler Luftfluss) minimiert Turbulenzen und verhindert die Ansammlung von Partikeln.
Klimakontrolle
Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck werden präzise geregelt, um stabile Reinraumbedingungen aufrechtzuerhalten.
Bekleidungs- und Verhaltensregeln
Mitarbeitende tragen spezielle Schutzkleidung und müssen strikte Verhaltensvorgaben einhalten, darunter Vorschriften zu Bewegung, Essen, Trinken, Make-up und dem Kontakt mit Oberflächen, um Kontaminationen zu vermeiden.


Die Reinheit eines Reinraums wird durch internationale Standards, wie die ISO 14644-1, definiert. Je nach Klasse sind nur eine bestimmte Anzahl von Partikeln pro Kubikmeter Luft erlaubt. Ein ISO-1-Reinraum weist die höchste Luftreinheit auf, während ein ISO-9-Reinraum in etwa der normalen Raumluft entspricht. In der pharmazeutischen Industrie gelten darüber hinaus spezifische GMP-Reinraumklassen, die in die Stufen A bis D unterteilt sind.
Anwendungsbereiche
Reinräume sind in vielen Branchen essenziell, darunter:
Halbleiterindustrie
Herstellung von Mikrochips und Prozessoren.
Pharmazeutische Produktion
Sterile Medikamente und Impfstoffe.
Medizintechnik
Herstellung von Implantaten oder OP-Instrumenten.
Luft- und Raumfahrt
Präzisionsfertigung für Satelliten und Raumschiffe.
Lassen Sie uns zum Abschluss einige Jahre vorausschauen. CWS Cleanrooms bedient Kunden in einem gemeinhin wenig bekannten Segment. Wo seht ihr Potenzial für weiteres Wachstum?
Jon: Viele Menschen kennen sich gut mit Endprodukten wie Tablets oder Medikamenten aus. In welchem Umfeld sie produziert werden, ist dagegen eher ein Nischenwissen. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, wie wichtig Reinraumproduktionen heute bereits sind. Das hat der enorme Anstieg in der Herstellung von Impfstoffen während der Covid-19-Pandemie gezeigt. Außerdem entstehen viele neue Segmente wie die Batterieproduktion für Automobile. In solchen Bereichen sind Unternehmen auf unsere Produkte und Dienstleistungen angewiesen.
Johan-Detlef: Um das Potenzial zu erkennen, braucht man sich nur die Entwicklungen in der Pharmaindustrie rund um personalisierte Medizin – also Gen- und Zelltherapie – anzusehen. Solche Medikamente erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Patientinnen und Patienten mit schweren Krankheiten erfolgreich zu behandeln. Wir sind stolz darauf, dass auch wir einen Beitrag dazu leisten können.
Vielen Dank für das Gespräch!





