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Über alle Maßen

29.07.2019

Der 29. Juli ist dieses Jahr der sogenannte Earth Overshoot Day, das heißt ab heute lebt die Menschheit für den Rest des Jahres 2019 über ihre Verhältnisse.

Gucken Sie mal in Ihren Kleiderschank. Wie viele T-Shirts haben Sie? Und wie viele tragen Sie regelmäßig? Seien Sie ehrlich! Mit Sicherheit nicht jedes davon. Aber was soll’s, sagen Sie, schließlich haben die T-Shirts nicht die Welt gekostet. Oder doch, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes? Denn laut dem Online-Magazin Aethic kostet die Produktion eines einzigen Baumwoll-T-Shirts die Erde rund 2.000 Liter Wasser. Wenn jeder der knapp 200 Haniel-Mitarbeiter etwa 10 T-Shirts besitzt, dann schlagen diese schon mit 4 Millionen Litern Wasser auf dem Ressourcenkonto der Welt zu Buche. Und das für ein Konsumgut, das wir in dieser Anzahl nicht zwangsläufig brauchen. Die horrende Zahl zeigt: Wir leben deutlich über unsere Verhältnisse, wodurch wir die Erde über Gebühr ausbeuten, und daran soll der alljährliche Earth Overshoot Day erinnern. Dieses Jahr fällt er auf den 29. Juli.

1,75 Erden wären nötig
Der Begriff ‚Overshoot‘, der dem Tag seinen Namen gibt, bedeutet Mehrverbrauch. Das heißt, die Menschheit hat vom 1. Januar bis zum 29. Juli 2019 all die Ressourcen verbraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres erneut produzieren kann. Es verbleiben fünf Monate, in denen wir ‚ohne Kontodeckung‘ konsumieren. Wir bräuchten 2019 demnach eigentlich 1,75 Erden! Die Berechnung des Datums stammt vom Global Footprint Network (GNF), das den sogenannten ökologischen Fußabdruck kalkuliert und damit sozusagen unsere Ressourcen-Buchhaltung übernimmt. Seit Jahren muss der Earth Overshoot Day um einige Tage nach vorne datiert werden. 2017 fiel er beispielsweise auf den 2. August, 2018 auf den 1. Dieses Jahr waren wir sogar noch drei Tage schneller. Leider.

#movethedate
Das GNF hat angesichts dieser Entwicklung eine Initiative unter dem Hashtag #movethedate ins Leben gerufen, die das Bewusstsein für diesen unverhältnismäßigen Lebensstil erhöhen soll. Ziel ist es, den Earth Overshoot Day bis 2050 jedes Jahr um fünf Tage nach hinten zu verlegen. Damit fiele er 2020 „erst“ auf den 3. August. Gleichzeitig animiert sie dazu, persönliche nachhaltige Lösungen zu finden, um fünf Problemfelder im System anzugehen:

  1. ‚Städte‘ umfasst smarte Stadtplanung sowie bezahlbare, zugängliche und nachhaltige Verkehrsmittel im öffentlichen Raum.
  2. ‚Energie‘ verdeutlicht, dass ein Ausstieg aus fossilen Brennstoffen auch finanzielle Vorteile mit sich brächte. Dazu gehören auch Maßnahmen wie Retrofit-Lösungen – also nachträgliches energiearmes Aufrüsten – bei bestehenden Immobilien und Industrieprozessen.
  3. Im Bereich ‚Ernährung‘ plädiert das GNF für eine ressourceneffiziente Nahrungsproduktion, da momentan ein Drittel der Nahrungsabfälle verloren geht.
  4. Die Kategorie ‚Planet‘ beinhaltet die Wiederaufforstung von Wäldern, eine regenerative Landwirtschaft und eine nachhaltige Fischerei, um die für den Menschen überlebenswichtigen Ressourcen Boden, Luft und Wasser zu schonen.
  5. Schließlich ließe sich das Wachstum der ‚Bevölkerung´ unter anderem durch die Gleichstellung der Frau in Gesellschaft und Berufsleben entlasten.

Die Umsetzung konkreter Großprojekte in diesen Bereichen würde zur Verschiebung des Earth Overshoot Days jeweils um einige Tage führen. Sollten wir 2050 den Tag am 31. Dezember begehen, hätten wir das Ziel der Initiative erreicht, unser Klimakonto ausgeglichen – und unser Gewissen erleichtert.

Auf seiner Seite bietet das Global Footprint Network einen Rechner an, der den persönlichen ökologischen Fußabdruck kalkuliert. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.