Verantwortung

Die Zukunft hat begonnen

03.03.2012

Gespräche, Hilfestellungen und erste Kontakte zur Wirtschaft: Das Aletta Haniel Programm, das die Haniel Stiftung 2010 ins Leben gerufen hat, bietet seinen Teilnehmern viel. Die beiden pädagogischen Mitarbeiterinnen Antje Burs und Schewa van Uden begleiteten die Schüler des ersten Jahrgangs auf ihrem Weg von der vonder 8. bis zur 10. Klasse. Im Sommer 2012 haben sie ihren Abschluss gemacht.

Rückblick

März 2012: Schewa van Uden hat alle Hände voll zu tun. In ihrem und Antje Burs Büro im Gebäude der "Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien" (RAA) in Ruhrort kontrolliert sie gerade die Schulnoten im ersten Jahrgang des Aletta Haniel Programms. Die Zehntklässler der Aletta-Haniel-Gesamtschule stehen kurz vor ihrem Abschluss. "In drei Monaten wird sich zeigen, wie erfolgreich unsere Arbeit war", sagt sie. Plötzlich klopft es an die Tür. Van Uden guckt verwundert auf die Uhr: "Eigentlich erwarte ich heute keinen mehr." Noch während sie das sagt, fliegt die Tür auf und ins Büro treten 13 Jugendliche. In enormer Lautstärke und wild durcheinander gratulieren sie van Uden zu ihrem heutigen Geburtstag. Noch immer überrascht aber sichtlich stolz, nimmt sie die Glückwünsche entgegen. Die Gratulanten gehören schon fast zu ihrer "Familie". Es sind die Zehntklässler der Aletta-Haniel-Gesamtschule - die erste Generation, die am Aletta Haniel Programm teilnimmt.

Koordination und Kooperation

Eine dieser Gratulantinnen im März war die 16-jährige Dilara. Die in Deutschland geborene Türkin absolvierte damals ein Jahrespraktikum bei der Duisburger Zweigstelle des Logistikunternehmens DPD - jeden Dienstag half sie dort im kaufmännischen Bereich. "Ich habe immer gerne organisiert und wollte auf jeden Fall im Büro arbeiten", erzählt uns Dilara rückblickend. "Frau van Uden hat mir dann vorgeschlagen, Bürokauffrau zu werden und bei DPD anzufangen." Das Logistikunternehmen gehört zu dem Pool an Duisburger Unternehmen, die mit dem Aletta Haniel Programm kooperieren. Dafür mussten van Uden und ihre Kollegin Antje Burs viele "Klinken putzen". "Am Anfang war unser Programm noch völlig unbekannt und es war nicht leicht, Unternehmen davon zu überzeugen, ausgerechnet schwache Schüler bei sich aufzunehmen", erinnert sich van Uden. Heute haben die Unternehmen den Vorteil des Aletta Haniel Programms für sich erkannt: Im Jahrespraktikum können sie die Schüler schon vor der Ausbildung prüfen und sie einarbeiten. Mit van Uden und ihrer Kollegin Burs haben sie außerdem direkte Ansprechpartner, wenn mal etwas schief laufen sollte.

Das Ziel immer vor Augen

Auch Dilara war während ihres Praktikums bei DPD schon das ein oder andere Mal drauf und dran, alles hinzuwerfen. Und das, obwohl alles gut lief: Ihr Vorgesetzter und die Arbeitskollegen waren begeistert von ihr. Dilara selbst mochte die Arbeit - hatte aber manchmal einfach keine Lust: "Ich wollte lieber mit meinen Freunden Zeit verbringen." In zahlreichen Gesprächen hat van Uden die 16-Jährige daran erinnert, warum sie Bürokauffrau werden will und sie immer wieder neu motiviert - das hat sich gelohnt, denn sie bekam eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch von DPD. "Das Gespräch ist super verlaufen. Nach ihrem Schulabschluss hat Dilara dort ihre Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen", sagt van Uden sichtlich stolz.

In der Zukunft

So wie Dilara haben noch drei weitere "Aletta-Schüler" direkt nach ihrem Schulabschluss eine Ausbildung begonnen. Doch auch für die Anderen hat sich die Teilnahme am Aletta Haniel Programm ausgezahlt: Sie haben ihren Schulabschluss geschafft und außerdem eine Menge an "Soft Skills" erworben. So haben die Schüler beispielsweise in einem zweitägigen Benimm-Kurs gelernt, wie sie sich bei einem Essen mit ihrem Chef benehmen oder welche Kleidung sie in welchen Situationen tragen sollten. Durch das Aletta Haniel Programm haben sich auch neue, enge Freundschaften entwickelt. Der Kontakt, darüber sind sich alle einig, soll auch nach der Schule erhalten bleiben - ganz besonders zu ihrer Mentorin Schewa van Uden.

Über die Projektkoordinatorinnen

"Was mit Menschen"

Antje Burs wurde im ostwestfälischen Detmold geboren. Nach ihrem Abitur entschied sie sich 1999 dazu, ein Freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren - in einem Heim für geistig behinderte Jugendliche. Etwas zu bewegen und Hilfe zu leisten, das war ihr schon damals wichtig. Nach den 12 Monaten war Burs klar, dass sie auf jeden Fall "was mit Menschen" machen wollte. 2000 ging sie nach Münster an die dortige Logopädieschule. [http://klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=logopaedieschule] Danach arbeitete sie zunächst zwei Jahre als Logopädin in einer großen Facharztpraxis für Phoniatrie und Pädaudiologie. Doch richtig zufrieden machte sie das nicht: "Die Arbeit mit den Patienten war toll, aber mich interessierten mehr und mehr die Hintergründe des Gesundheits- und Sozialwesens. Ich wollte mich mit wissenschaftlichen Theorien beschäftigen, organisieren, Konzepte schreiben und dabei auch den wirtschaftlichen Aspekt im Blick behalten." 2005 kündigte sie ihre feste Vollzeitstelle, um in Mönchengladbach Sozialmanagement zu studieren. Während ihres vierjährigen Studiums arbeitete die gebürtige Ostwestfälin nebenbei als Logopädin weiter. Das änderte sich mit Beendigung ihres Studiums. 2009 begann sie bei der Stadt Krefeld als Koordinatorin des Projekts "Zusatzjob U25". In dieser Funktion war Burs dafür verantwortlich, Erwachsenen unter 25 Jahren mit schlechter Schulbildung oder krimineller Vergangenheit Arbeitsgelegenheiten zu vermitteln und sie darüber - im Idealfall - in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. "Damals haben wir es geschafft, einem 21-Jährigen mit Drogenvergangenheit einen Job in einem Altenpflegeheim zu beschaffen. Ohne dieses Programm hätte er wahrscheinlich keine Chance gehabt", erzählt Burs stolz. Seit April 2010 ist sie eine von zwei Projektkoordinatorinnen des Aletta Haniel Programms.Über ihre Tätigkeit in diesem Pilotprojekt sagt Burs, dass sie die pädagogischen und koordinatorischen Aufgaben optimal verbindet. " Es ist genau das, was ich mir immer gewünscht habe."

"Vorbild für Migrantenkinder"

Schewa van Uden wurde 1980 im Nordirak geboren. Im Alter von 15 Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Damals konnte sie kein Wort deutsch. Damit sie aber auch in Deutschland einen Schulabschluss machen konnte, sorgten ihre Eltern dafür, dass sie die Sprache lernte. Dazu besuchte sie spezielle Deutschkurse an ihrer Schule und an der Volkshochschule. Van Uden arbeitete hart; sie wollte unbedingt ihr Abitur machen und später studieren. Es gelang ihr: 2001 machte sie ihr Abitur. Sie ging anschließend nach Essen, um dort Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Parallel arbeitete sie ab 2002 als Interkulturelle Beraterin in der Elternarbeit im Elementar- und Primarbereich für die RAA in Duisburg. Recht schnell merkte sie, dass ihr die dortige Arbeit mehr Spaß machte, als das, was sie im Studium lernte. Sie wollte Menschen, denen es wie ihr ergangen war, unterstützen und motivieren. Nach ihrem Grundstudium sattelte van Uden deshalb auf Sozialwissenschaften um. Nebenbei blieb sie bei der RAA und bildete sich außerdem als Konfliktmanagerin und Mediatorin weiter. Nach ihrem Studium arbeitete die Sozialwissenschaftlerin zunächst als Projektkoordinatorin bei der Integrationsagentur des Deutschen Roten Kreuzes. 2010 kam dann das Angebot, Projektkoordinatorin beim Aletta Haniel Programm zu werden. Ohne zu zögern nahm sie das Angebot an. Was genau ihr an dieser Arbeit gefällt, beschreibt van Uden so: "Es macht mir eine große Freude, neue Herausforderungen anzunehmen und neue Ideen in Projekten zu verwirklichen. Durch meine Biografie habe ich eine Vorbildfunktion für die Migrantenkinder und ich ermutige sie, dass man alles erreichen kann, was man möchte. Natürlich nur, wenn man bereit ist, etwas dafür zu tun und auch die richtige Förderung erhält."