Haniel

Zeigt her eure Waschräume

25.09.2017

Beim Besuch am ersten deutschen Einzelhandelsstandort von „loovio by CWS“ im Ruhrgebiet stellt sich heraus: Die moderne Outsourcing-Lösung für öffentliche Toiletten kommt gut an.

Kurz nach 10 Uhr, in der Abteilung für Damen- und Kinderbekleidung einer Modehauskette im Ruhrgebiet: Eine Rentnerin steuert auf die Damentoilette zu, wirft 70 Cent in den Kassenautomaten, passiert das Drehkreuz – und ignoriert den Wertbon, der gerade ausgedruckt wurde. „Den vergesse ich immer“, sagt die Stammkundin, als sie von Julia Heggemann auf ihr Versäumnis aufmerksam gemacht wird. Heggemann ist Projektmanagerin Business Development in der Abteilung „Complete Washroom Concepts“ bei CWS-boco und hat als solche die Realisierung des Einzelhandelsstandorts von „loovio by CWS“ im Ruhrgebiet betreut. „Wir haben am 22. April nach einer sechswöchigen Umbauphase eröffnet“, erzählt sie. Dafür war ein spezialisierter Generalbauunternehmer beauftragt, „der es gewohnt ist, sich auf Verkaufsflächen zu bewegen“. Ohne die Kunden oder den Verkaufsbetrieb massiv einzuschränken, galt es, vier Toiletten auf vier Etagen umfassend zu sanieren, die täglich von bis zu 1.000 Menschen aufgesucht werden.

Die Sache mit dem Kleingeld
Der Auftraggeber hatte sich bei der Suche nach einem Partner für das Voll-Outsourcing der WC-Anlagen für das loovio-Konzept entschieden. Denn die personellen Ressourcen im Einzelhandel reichen oft nicht aus, um die Waschräume selbst zu pflegen oder den Einsatz von Hilfsarbeitskräften zu planen. CWS-boco bietet deshalb Einrichtung, Betrieb und Reinigung aus einer Hand. Dabei handelt es sich um sogenannte Bezahl-Toiletten: Der Nutzer entrichtet am Eingang eine Gebühr und erhält dafür im Gegenzug einen Gutschein, der beim Einkauf oder an der Kaffeebar eingelöst werden kann. „Das Prinzip kennt man ja von Autobahnraststätten“, sagt eine Kundin mittleren Alters. Dabei wird an den Einzelhandelsstandorten von „loovio by CWS“ sogar der volle Betrag angerechnet und nicht, wie von den Autobahnraststätten bekannt, nur ein Teilbetrag. „Blöd ist nur, wenn man ein dringendes Bedürfnis hat und erst nach Kleingeld kramen muss.“ Deshalb kann der loovio-Kassenautomat wechseln. „70 Cent ist natürlich ein krummer Betrag. Die meisten werfen 1- oder 2-Euro-Münzen ein“, erklärt die Projektmanagerin. „Das haben wir anfangs so nicht vorhergesehen, bis uns das Wechselgeld ausgegangen ist. Jetzt füllen wir wöchentlich auf.“ Kreditkartenzahlung per Nahfeldkommunikation (NFC) – für den Kunden gebührenfrei – ist auch möglich. „Während in unseren loovio-Waschräumen in Dänemark die Hälfte der Besucher diese Bezahlmethode bevorzugt, spielt sie in Deutschland aber kaum eine Rolle.“ Die nächste Kundin hat den Betrag passend. Trotzdem lässt sich das Drehkreuz nicht bewegen. „Sie haben zwei Mal 20 Cent reingeworfen. Das ist zu wenig“, weist Heggemann die ältere Dame auf ihren Irrtum hin. Darauf diese: „Oh, ohne meine Brille habe ich die 20- mit der 50-Cent Münze verwechselt.“

Gut fürs Image
Obwohl es bei manchen noch ein wenig hakt, konstatieren die Kundinnen an diesem Mittwochmorgen einstimmig, dass die neue Lösung „bitter nötig“ gewesen sei. Wie wichtig attraktive WC-Anlagen für das Einkaufserlebnis sind, zeigte auch eine von CWS-boco in Auftrag gegeben Studie: „88 Prozent der Befragten aus fünf europäischen Ländern sind der Meinung, dass die Sauberkeit in Waschräumen repräsentativ für das gesamte Haus ist.“ Damit diese positiv auf das Image des Unternehmens einzahlt, bietet loovio einen hohen Hygienestandard und hochwertige Produkte gepaart mit stilvoller Einrichtung und professioneller Beleuchtung. Auch der Service soll nichts zu wünschen übriglassen: Während der Öffnungszeiten ist immer eine Reinigungskraft im Einsatz, die bei Bedarf sogar herbeigeklingelt werden kann. „Wir müssen die Kunden zwar noch häufig darüber aufklären, wie das System funktioniert, aber die meisten finden es ganz toll“, berichtet eine Verkäuferin. Wenn sie sich beschwerten, dann weil sie die Toiletten nicht sofort finden würden. Dass ein großer loovio-Schriftzug an der Wand auf den Eingang hinweist, reicht aktuell noch nicht aus, denn die Marke ist in Deutschland so neu, dass sie noch nicht immer direkt mit WC-Anlagen in Verbindung gebracht wird.

An zwei Autobahnraststätten in Dänemark sowie am Regionalbahnhof Roma San Pietro unweit der Vatikanstadt betreibt das Unternehmen bereits weitere Waschräume unter der Marke loovio. Bis Mitte 2018 wird CWS-boco zudem 17 Standorte in allen neuen Kaufhäusern von Hudsons Bay in den Niederlanden eröffnen. Diese Standorte werden im Rahmen eines 50:50 Joint Ventures unter der Marke Purepoint betrieben. „Langfristig möchten wir uns europaweit im Bereich öffentlicher Toiletten positionieren und durch die verstärkte Präsenz an hoch frequentierten Standorten sowohl die Bekanntheit der Marken loovio & CWS steigern als auch unsere CWS-Produkte in diesen Live-Showrooms präsentieren und Innovationen direkt selbst testen“, sagt Johannes Winterhager, Geschäftsführer der eigens dafür gegründeten Gesellschaft CWS Complete Washroom Concepts GmbH. Die Expansion geht weiter: In Deutschland eröffnet Anfang November ein zweiter „loovio by CWS“-Waschraum in direkter Nachbarschaft zum Ku-Damm.