Haniel

„Wir wollen etwas bewegen“

18.07.2017

Interview mit einem der ersten Corporate Digital Entrepreneure von TAKKT.

Um die Digitale Agenda erfolgreich umzusetzen, stellt TAKKT unter anderem zusätzliche digitale Talente ein. So haben seit Februar sechs Nachwuchskräfte das „Corporate Digital Entrepreneurship“ Programm begonnen. Einer von ihnen ist Cornelius von Schönau. Im Interview verrät er, welche Einstiegshürden er meisterte, was ihn in den insgesamt 18 Monaten erwartet und wie einzigartig das Programm ist.

Wie sind Sie auf das Programm aufmerksam geworden?
Ich absolvierte im Herbst ein Praktikum bei der TAKKT AG im neu geschaffenen Bereich „Digitale Transformation“ beim Senior Digital Advisor Peter Bruhn. Dort wurde zu dem Zeitpunkt gemeinsam mit der Unternehmerschmiede, einem Joint Venture der Beratungsunternehmen etventure und Kienbaum das neue Programm konzipiert. Darauf habe ich mich dann beworben.

Wie sah der Bewerbungsprozess aus?
Zu Beginn habe ich meine Bewerbung mit Anschreiben und Lebenslauf eingereicht. Dann hatte ich mit zwei Mitarbeitern der Unternehmer-Schmiede ein Skype-Interview. In der dritten Runde folgte ein Viasto-Interview, im Grunde ein Video-Gespräch mit dem Computer: Ein Mitarbeiter der Unternehmer-Schmiede begrüßte mich auf dem Bildschirm und erklärte mir in der ersten Video-Sequenz, dass im Anschluss Fragen eingeblendet würden, auf die ich – nach einer kurzen Bedenkzeit – in einer Minute antworten sollte. Und dann: Zack! Nächste Frage. Das war gewöhnungsbedürftig, aber auch lustig mitzumachen. Alle, die weiterkamen, wurden zu einem Kandidatentag eingeladen und mussten drei Fallstudien bearbeiten. Einen Persönlichkeitstest und einen IQ-Test gab es auch. Im Anschluss daran wurden wir ausgewählt.

Mussten Sie von Runde zu Runde lange zittern?
Obwohl es relativ viele Hürden zu nehmen galt, dauerte der Auswahlprozess insgesamt vielleicht nur drei Wochen. An einem Freitag kurz vor Weihnachten rief mich Peter Bruhn dann an, um mir mitzuteilen, dass es geklappt hatte. Ich habe mich riesig gefreut! So ein Programm gibt es meines Wissens kein zweites Mal. Ich habe vergeblich nach ähnlichen Angeboten gesucht.

Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere daran?
Wie der Name „Corporate Digital Entrepreneurship“ schon sagt, erwartet TAKKT von uns, dass wir digitale Projekte initiieren, die Digitalisierung durch agile Arbeitsweisen und pro-aktives unternehmerisches Handeln vorantreiben und mitgestalten. Das zeigt sich auch bei der Auswahl der Corporate Digital Entreprneure. Wir ähneln uns alle darin, dass wir gerne Dinge anstoßen und uns trauen, Verantwortung für Projekte zu übernehmen. Die beiden Amerikaner unter uns haben eigene kleine Unternehmen gegründet. Von uns Deutschen hat eine während des Studiums sehr erfolgreich als Freelancerin im Bereich Suchmaschinen-Marketing und Facebook-Advertisement gearbeitet. Ein anderer war für Start-ups in verschiedenen Verantwortungspositionen tätig. Abgesehen von unserem Unternehmergeist und unserem digitalen Mindset entsprechen wir keinem Stereotypen. Wir sind völlig unterschiedlich.

Bei welcher Gelegenheit konnten Sie das herausfinden?
Im April gab es eine Kickoff-Woche in Stuttgart, wo wir eine Insights-Potentialanalyse machen durften. Diese Art der Selbsteinschätzung hilft enorm dabei, die eigenen Motivationen und Präferenzen besser kennenzulernen. Und wir wurden darauf geschult, diese bei anderen herauszufinden. Als Resultat bekam jeder von uns einen Turm aus vier verschiedenfarbigen Bausteinen. Bei mir ist Rot oben, das heißt zum Beispiel, dass ich gerne lange To-Do-Listen mache und abhake. Ich meine, dass es in unserer Runde keine Farbkombination zwei Mal gab.

Was stand noch auf dem Programm der Kickoff-Woche?
Umrahmt von einem schönen Freizeitprogramm durften wir in einem zweitägigen Workshop von der Unternehmerschmiede mehr über die Innovationsmethode Design-Thinking lernen. Ein weiteres Highlight war die Einführung in die Digitalisierungsstrategie durch Felix Zimmermann. Der Vorstandsvorsitzende brennt für dieses Thema und berichtet leidenschaftlich darüber. Zudem liegt ihm das Programm sehr am Herzen. Er forderte uns auf, eigene Projekte zu initiieren, damit Unternehmertum nicht nur im Namen des Programms stecke. Wir sollen die bisherige Arbeit der Kollegen kennen und schätzen lernen, um dann zu hinterfragen: Könnte man das nicht auch moderner machen? Ein essentieller Teil der Digitalen Transformation betrifft die Unternehmenskultur. Hier können wir uns besonders einbringen.

Wie soll Ihre Learning Journey aussehen?
Das 18-monatige Programm ist an den Design-Thinking-Prozess angelehnt. Deshalb hatten wir zu Beginn einen zweitägigen Workshop, in dem wir die verschiedenen Prozess-Schritte selbst mitgemacht haben. Danach wurden wir an unsere ersten Stationen entsandt, zum Beispiel ins Online-Marketing oder in die Unternehmensentwicklung bei TAKKT oder, wie in meinem Fall, zu Schacht One. An den Stationen sollen wir das Geschäft beobachten und verstehen, bevor wir in den zweiten sechs Monaten selbst Ideen entwickeln, testen und validieren. Und im letzten Drittel dürfen und sollen wir eigene Projekte starten.

Sie bekommen diesbezüglich keine konkreten Vorgaben?
Eigentlich nicht. Abgesehen von einer gemeinsamen Hausaufgabe für den Anfang, mit der wir Design Thinking verinnerlichen sollen, sodass uns die Methode in Fleisch und Blut übergeht. Die Frage lautet: Wie könnte eine Kollaborationsplattform aussehen, auf der alle TAKKT-Geschäftsbereiche künftig zusammenarbeiten? Wir sollen Kollegen zu ihren Problemen und Bedürfnissen interviewen und unsere Erkenntnisse im Sommer vorstellen. Ein weiterer Höhepunkt des Programms ist ein Besuch des Silicon Valley gemeinsam mit den beiden Vorständen Claude Tomaszewski und Dirk Lessing, die den Auftakt zum dreimonatigen USA-Aufenthalt der vier Deutschen unter uns bildet.

Das verspricht ein Highlight zu werden…
Definitiv. Wobei ein Highlight für mich schon der Einsatz bei Schacht One war. Damit hatte ich einen wirklich super Start. Bei Schacht One herrscht eine sehr inspirierende und leistungsfördernde Unternehmenskultur. Man wird ermutigt, Dinge auszuprobieren und Fehler zu riskieren. Es geht nicht darum, irgendetwas auf Anhieb perfekt zu machen, sondern vielversprechende Projekte zu starten, Neues zu wagen und aus den Fehlern zu lernen. Zudem kommt es bei Schacht One auch sehr auf Geschwindigkeit an. Und man hat die Möglichkeit, mit bester Technik und modernen Programmen zu arbeiten. Der Grundsatz lautet immer: Wenn du eine Idee hast oder wenn jemand anders eine Idee hat, dann versuche, auf der Idee aufzubauen und vernichte diese nicht gleich. Es gibt tausend Gründe, warum etwas nicht klappen könnte, aber warum sagt man eigentlich nicht „Ja, und?“ anstatt „Ja, aber!“?

Gab es etwas, an das Sie sich erst gewöhnen mussten?
An die kurzen Entscheidungswege und die Tatsache, dass bei Schacht One nicht in Linie, sondern fast ausschließlich in Projekten gearbeitet wird. Es gilt, Meilensteine zu erreichen. Auf welchem Weg, ist dem jeweiligen Team selbst überlassen. Natürlich muss die Qualität stimmen. Es ist selbstverständlich, dass jeder sein Bestes gibt, weil er etwas bewegen will. Das ist auch mir persönlich sehr wichtig. Ich möchte mich einbringen. Und bei der TAKKT AG habe ich die Chance und die Freiheit, das zu tun.

Cornelius von Schönau (28) hat Volkswirtschaft und Philosophie in Freiburg studiert. Dort lernte er seine Frau kennen, mit der er zwei Kinder (3 und 1) hat. Derzeit wohnt die Familie in Meerbusch.