Haniel

Vom Kundeninterview zur Marktreife

27.03.2017

Die Haniel-Digitaleinheit Schacht One unterstützt die Geschäftsbereiche dabei, digitale Ideen zu entwickeln und diese auf den Markt zu bringen. Das erste gemeinsame Produkt ist jetzt auf dem Markt: TAKKT-Tochter KAISER+KRAFT bietet eine digitale Anwendung, die die Prüfung von Betriebsausstattung vereinfacht – und löst damit nicht nur für seine Kunden ein echtes Problem.

Ludwig Lagerhoff arbeitet in einem mittelständischen Unternehmen, das Hightech-Teile für die Automobilindustrie herstellt. Als Lagerleiter verantwortet er alle Prozesse und koordiniert Mitarbeiter und Dienstleister für einen reibungslosen Ablauf im Lager. Eine Sache hält ihn allerdings regelmäßig davon ab, seine Zeit für die seiner Meinung nach „wichtigen Dinge“ zu nutzen: Er muss gesetzliche Prüfungen koordinieren, denen das meiste Inventar seines Lagers unterliegt – Lastenregale, Leitern, Hubwagen, Rolltore, Feuerlöscher... Diese Aufgabe ist lästig, denn die Gegenstände müssen in verschiedenen Abständen unterschiedlichen Sicherheitskontrollen durch meist externe Dienstleister unterzogen werden. Um den Überblick über die circa 60 Termine im Jahr und rund 30 Dienstleister zu behalten, pflegt Lagerhoff mehrere Excel-Tabellen, Terminkalender, Telefonverzeichnisse und füllt mit den Prüfbescheinigungen ein ganzes Regal in seinem kleinen Büro. „Das muss doch einfacher gehen!“, denkt er sich und fängt an, nach Lösungen zu recherchieren.

Im Internet findet er die Seite „www.pruefplaner.de“ – ein Rundum-sorglos-Paket für alle gesetzlichen Vorschriften im Lager. Lagerhoff registriert sich für die Cloud-basierte Lösung und kann, ohne die eigene IT beanspruchen zu müssen, sofort loslegen. Zunächst erfasst er alle seine prüfpflichtigen Produkte und deren letzte Prüfung – als erstes eine Leiter. Der Prüfplaner weist ihn darauf hin, in welchen Intervallen seine Leiter welchen Überprüfungen unterzogen werden muss und errechnet gleich die nächste Frist – in fünf Wochen. Nachdem er die komplette Lagerausstattung auf der Onlineplattform hinterlegt hat, widmet er sich wieder dem Tagesgeschäft.

Eine Woche später bekommt Lagerhoff eine Mail auf sein Diensthandy: „Ihre Leiter mit der Nummer 10092599 muss gemäß Betriebssicherheitsverordnung von einer befähigten Person in spätestens 30 Tagen geprüft werden.“ Der Lagerleiter macht direkt einen Termin mit dem Dienstleister, den er im Prüfplaner hinterlegt hat. Dieser kommt bereits in der darauffolgenden Woche. Auch dies trägt Lagerhoff auf der Onlineplattform ein, genauso wie die Prüfbescheinigung, nachdem die Kontrolle erfolgt ist und keine Mängel festgestellt wurden. Einen Monat vor dem nächsten fälligen Prüfdatum wird er dann wieder eine Erinnerung bekommen. „Das ist super! Die Onlinelösung sorgt dafür, dass ich keine gesetzlichen Prüfungen mehr vergesse. So kann ich mich im Lager auf das Wesentliche konzentrieren“, freut sich Lagerhoff.

Genau wie Ludwig Lagerhoff ging es vielen Kunden der TAKKT-Tochter KAISER+KRAFT. Dies hat der Stuttgarter Versandhändler, der Betriebs- Lager- und Büroausstattung vertreibt, mit Unterstützung von Schacht One herausgefunden – jetzt ist mit dem Prüfplaner die Lösung dafür auf dem Markt. Schacht One arbeitet nach dem Prinzip des Design-Thinking. Übersetzt heißt das: Frage die Kunden, welche Bedürfnisse sie haben, und entwickle dann ein Produkt, eine Dienstleistung oder gleich ein ganzes Geschäftsmodell, das diese Kundenbedürfnisse adressiert. So beginnen die meisten Projekte von Schacht One mit Kundengesprächen. Das Ziel: Herauszufinden, was den Kunden am meisten stört.

Laszlo Juhasz, Digital Transformation Manager bei Schacht One und verantwortlich für das Projekt mit KAISER+KRAFT, erzählt, wie aus einer Idee ein Produkt wurde.

Aus dem Kundenproblem „gesetzliche Kontrollen“ entwickelte Dein Projektteam die erste Idee zum Prüfplaner. Was kam nach der ersten Idee?
Statt direkt mit der Implementierung zu starten, haben wir zunächst einen klickbaren Prototypen erstellt und getestet, ob die „anfassbare Idee“ bei den Kunden überhaupt ankommt. Wir waren damit beispielsweise auch auf einer Fachmesse und haben vor Ort mit der potenziellen Zielgruppe gesprochen. Die etwa fünfzig Gespräche, die überwiegend positiv verliefen, haben wir dazu genutzt, unsere Idee zu schärfen.

Haben die Kunden Euch auch in der Umsetzungsphase unterstützt?
Ja, wir haben den Prüfplaner gemeinsam mit fünfzehn Pilotkunden entwickelt und in vier Phasen ihr Feedback eingeholt. In der ersten Runde ging es um den grundsätzlichen Aufbau und die Funktionalitäten der Lösung. Was ist den Kunden wirklich wichtig? In der zweiten Runde haben wir herausgefunden, wie viel Aufwand die Kunden bei der initialen Erfassung der prüfpflichtigen Produkte selbst investieren wollen. Sollten wir einen Service anbieten, die Produkte erfassen zu lassen? Doch es hat sich herausgestellt, dass die Kunden das auch als Chance sehen, sich einen Überblick über ihr Inventar zu verschaffen. In der dritten Runde wurde die Lösung klickbar: Die Kunden konnten mit uns zusammen selbst Produkte anlegen. In der vierten Runde kam der Alpha-Test: Die Kunden bekamen einen ersten Testzugang und konnten wesentliche Teile der Anwendung ungestört testen und uns anschließend Feedback geben.

Schacht One hat mit KAISER+KRAFT und der Digitalberatung etventure zusammengearbeitet. Wie sah die Zusammenarbeit aus?
Wir haben sehr stark als Team zusammengearbeitet und uns, je nach Schwerpunkt, die Aufgaben geteilt: Produktmanagement, Kundeninterviews, User Experience Design, IT-Entwicklung, Vertrieb und Marketing. Dabei haben wir uns für ein agiles Vorgehen entschieden und uns in zweiwöchigen Phasen – sogenannten Sprints – organisiert, um die Vielzahl der Aufgaben bewältigen zu können. Die Zusammenarbeit lief super und die KAISER+KRAFT Geschäftsführung hat das Vorhaben mit schnellen Entscheidungen unterstützt.

Was ist Dein Fazit aus dem ersten Projekt?
Wir sind im Oktober in die Umsetzung gestartet und haben jetzt ein marktfähiges Produkt. Das war eine Menge Arbeit, die in dieser Zeit nur in einem motivierten und interdisziplinären Team geleistet werden konnte. Die Einbeziehung der Pilotkunden war essenziell für unser Projekt. Jetzt startet die Inkubationsphase: In den nächsten fünf Monaten muss sich der Prüfplaner am Markt beweisen und weitere Kunden gewinnen.

Mehr Infos zum Prüfplaner gibt’s hier: http://www.pruefplaner.de