Haniel

Oper statt Mathe

11.11.2014

Haniel unterstützt Opernprojekt „Education“.

Haniel unterstützt Opernprojekt „Education“.

Clara rutscht unruhig auf ihrem Sitz hin und her. Plötzlich geht das Licht aus und der Vorhang öffnet sich. „Psssst!“, zischt es durch die Reihen, als ein Mann mit Mütze und Korb im Arm die Bühne betritt. „Das ist der Fischer!“, flüstert die Elfjährige ihrer Nachbarin aufgeregt ins Ohr. Dann wird es mucksmäuschenstill im Saal.

Clara ist eine von rund 150 Sechstklässlern des Franz-Haniel-Gymnasiums, die heute das Stück „Die Nachtigall“ der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg besuchen – mit Unterstützung von Haniel. Das Unternehmen fördert das Projekt Education, das 2011 gestartet ist. „Ziel ist es, den Schülern einen lebendigen Eindruck von der Oper zu geben. Je früher sie mit dieser Kunstform in Kontakt kommen, desto höher ist die Akzeptanz im Erwachsenenalter“, erzählt Musiklehrerin Barbara von Querfurth, die das Projekt an der Schule koordiniert. Gemeinsam mit den Theaterpädagogen Karoline Philippi und Maike Fölling von der Abteilung „Junges Publikum“ der Duisburger Oper hat sie die Sechstklässler im Musikunterricht auf den Opernbesuch vorbereitet: Die Schüler erfuhren Wissenswertes rund um das Stück – beispielsweise über die Handlung, den Komponisten Igor Stravinsky und die Darsteller.

Knigge für die Oper

Für alle Teilnehmer stand in der vorherigen Woche statt Mathe und Deutsch ein Opern-Workshop auf dem Stundenplan. Dort hatten die Schüler die Möglichkeit, ihre Fragen loszuwerden: „Muss ich mich für die Oper besonders anziehen?“ „Gibt es eine Pause?“ „Darf ich was trinken?“, löcherten sie die Theaterpädagoginnen. „Für die meisten Schüler ist es der erste Opernbesuch. Deshalb sind Verhaltensregeln bei der Vorbereitung ein wichtiger Punkt“, erklärt Philippi. Das zahlt sich heute aus: Obwohl der Saal bis auf den letzten Platz besetzt ist, ist es während der gesamten Vorstellung ruhig. Rund 50 Minuten erleben die jungen Zuschauer eine Reise durch das chinesische Reich. Passend zum Schauplatz des Stücks wechselt das Bühnenbild – von der Großstadt mit bunter Leuchtreklame über den Urwald bis zum Palast des Kaisers. „Wir haben die Oper von Stravinsky ausgewählt, weil sie sich besonders für Kinder eignet“, sagt die Theaterpädagogin. „Die bunten Kostüme und die Kulisse ziehen die Schüler in ihren Bann und machen den Opernbesuch für sie zu einem besonderen Ereignis.“

Lampenfieber erprobt

Als die junge Hauptdarstellerin Iulia Elena Surdo das erste Mal die Bühne betritt, rutscht Clara auf ihrem Sitz noch ein Stück weiter nach vorne und reckt den Hals. „Das ist ihre erste Hauptrolle – und trotzdem merkt man ihr gar kein Lampenfieber an“, sagt sie voller Bewunderung zur ihrer Freundin Lena. Das Gefühl, vor einem Publikum zu stehen, haben die Schülerinnen selbst im Workshop erlebt. Neben den Verhaltensregeln haben sie in Gruppen Improvisationsübungen gemacht. „Zum Beispiel haben wir mit unseren Stimmen und verschiedenen Instrumenten die Geräuschkulisse einer chinesischen Großstadt nachgemacht“, erzählt Lena nach der Vorstellung. „Schon als wir die Rollenspiele unseren Klassenkameraden vorführten, hatte ich Lampenfieber.“

Begeisterung geweckt

Am Ende der Premiere gibt es tosenden Applaus für die Darsteller. Einige Schüler stehen sogar von ihren Sitzen auf und fordern eine Zugabe. Draußen im Foyer hat sich bereits eine Menschentraube um Philippi gebildet. „Das Stück war toll!“ „Wie oft wird die Nachtigall noch aufgeführt?“ „Ich werde mit meinen Eltern noch einmal kommen“, sprechen die Schüler aufgeregt durcheinander. Auch Lehrerin Barbara von Querfurth ist zufrieden: „Die Schüler sind begeistert und haben Respekt für diese Art von Musik bekommen. Zwar werden sie sich künftig keine Operetten auf den MP3-Player laden – aber der ein oder andere wird sicherlich noch einmal in die Oper gehen.“ Weil das Projekt bei den jungen Zuschauern so gut ankommt, haben sich die Theaterpädagoginnen für das nächste Jahr schon neue Pläne gesetzt: „Wir möchten den Schülern einen Blick hinter die Kulissen des Theaters ermöglichen – zum Beispiel mit ihnen die Kostümfertigung besuchen. So können wir verschiedene Berufe am Theater vorstellen. Immerhin gibt es derer hier knapp 50 und wir brauchen überall handwerklich begabte und kreative Talente – wie Bühnenbildner oder Visagisten“, sagt Philippi. „Wer weiß, vielleicht wird einer der Sechstklässler in zehn Jahren wieder bei einer Premiere mitfiebern – nur nicht mehr als Zuschauer, sondern als Macher hinter der Bühne.“