Haniel

Maschinenhalle die Zweite: Industrial Internet of Things

23.01.2019

Auf Zeche Zollverein veranstaltete Schacht One Ende November das zweite Event aus der Reihe „Maschinenhalle“. In Keynotes, Use Cases und Startup-Pitches beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem „Industrial Internet of Things“.

Emsig schwirren Arbeiter über die Türschwelle, tragen Gerätschaften und Tabletts in die Maschinenhalle hinein, errichten vor der Tür eine große Feuerstelle. Es ist zwölf Uhr, die ersten Gäste kommen an und bleiben vor Staunen bereits im Eingang stehen. Nicht etwa wegen der weihnachtlichen Lichterketten, die sich am Treppengeländer emporranken. Nein! Eingefasst von magenta-beleuchteten Glaswänden zieht ein Dampfmaschinenmodell die Umstehenden ratternd und rauchend in seinen Bann. Auf einem Bildschirm daneben zeichnen sich Säulen, Kurven, Daten ab. Ein erstes Indiz, dass es an diesem Tag um mehr geht als die reine Mechanik – so sehr es die Architektur aus Backsteinen, Stahlträgern und Glas auch suggerieren mag. Aus den oberen Etagen dringt Stimmengewirr. Zwischen riesigen Turbinen netzwerken die Gäste zu Kaffee, Brezeln und Süßigkeiten. Gespannt warten sie auf den Beginn des Events.

Kopfsprung in die digitale Welt
Wir befinden uns auf dem Gelände der Zeche Zollverein im Essener Norden, dem Ausgangspunkt für die industrielle Kohleförderung im Ruhrgebiet. Mit Haniels Digitaleinheit Schacht One und der Schmiede Zollverein entwickeln sich an diesem Ort mittlerweile zukunftsträchtige digitale Ideen. Der perfekte Rahmen für den zweiten „Deep Dive“ der Veranstaltungsreihe „Maschinenhalle“. Wie der Name schon erahnen lässt, geht es dabei um das tiefergehende Eintauchen in ein digitales Thema. Diesmal dreht sich alles um das sogenannte „industrial internet of things“ (industrial IoT). Der Begriff Internet of Things bezeichnet die Vernetzung von Gegenständen durch eingebettete Prozessoren und Sensoren, sowohl mit dem Internet, als auch untereinander. Das ermöglicht eine automatisierte Kommunikation von Maschine zu Maschine (M2M). Es geht also um heutige und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten des Internet of Things für Industrie und Produktion. Nun denn, nehmen Sie Ihre Plätze ein; Die Keynotes beginnen!

Nicht nur, sondern auch
Industrial IoT, so lernen die Teilnehmer rasch, soll lebensnahe Lösungen bieten. Mit Smart Factories, langfristiger Automatisierung und Big Data fallen Schlüsselbegriffe einer Industrie 4.0, doch Manfred Tropper, CEO und Gründer von mantro, stellt klar: IoT bedeute nicht nur glänzende, moderne Produktionsstätten in weißer Laboroptik. IoT betreffe die reale Welt, beginne bei der Kooperation zwischen Mensch und Maschine und versuche in weiten Teilen Lösungen für spezifische Probleme im Kleinen auszuarbeiten. Künstliche Intelligenz und Big Data sind für diese Zusammenarbeit unerlässlich. Es gelte, im großen Stil Daten zu sammeln und mittels Analyse sinnvolle Schlüsse für Prozessoptimierung und Automatisierung aus ihnen zu ziehen. Nachrüstung oder Retrofit ist ein weiteres Stichwort. Bisher analoge Lösungen sollen nun digitalisiert werden und ihr Potenzial erweitern.

Dr. Alexander Lautz, Senior Vice President 5G bei der Telekom, nennt außerdem „connectivity“, die Anschlussfähigkeit verschiedener Geräte ohne Kabel, als eine der zentralen Voraussetzungen von IoT. Lautz plädiert für 5G als zukünftigen „enabler“ dieser unbegrenzten Breitbandverbindungen und damit als Wegbereiter für die großflächige Umsetzung von IoT in Deutschland. Er führt den Teilnehmern die Möglichkeiten des industrial IoT vor Augen und schaut dabei über den maschinellen Horizont hinaus. Seien es die Überwachung der Lieferkette in Echtzeit, eine intelligente Steuerung von Straßenlaternen und Müllcontainern oder ein smartes Parkplatzmanagement – Industrial IoT funktioniert nur mit einem adäquaten Kommunikationsnetz.

Nutzen bestimmt das Geschäft
Jede IoT-Lösung ist abhängig von ihren Anwendungsfällen, so genannten „Use Cases“. Darin stimmen schon Tropper und Lautz in ihren Keynotes überein. Im Praxisteil rückt die Maschinenhalle diesmal die Detailperspektive in den Fokus: IoT-Umsetzungen aus den verschiedenen Geschäftsbereichen der Haniel Gruppe. Peter Janek, Product Development Manager Mechatronik bei CWS-boco, präsentiert mit „Smart Mate“ einen digitalen Waschraum-Manager, der dem Kunden mittels Sensoren – unter anderem in Seifenspendern – eine umfassende „Hygiene Experience“ bietet. Der „Commander“, den Ole Andre Tomren aus dem Bereich Digital Intelligence von Optimar vorstellt, fungiert als Cockpit, von dem aus jeder Zwischenschritt und Aspekt der Fischverarbeitung auf hoher See überwacht werden kann. Magnus Völkner und Andreas Stanner von EIE Services und Box42 diskutieren Lösungen unter anderem zur Digitalisierung des Schrottplatzes.

Von Drohnen und Sensoren
In direkter Nachbarschaft zum gerade entstehenden Weihnachtsmarkt stellen die teilnehmenden Startups in einer Pause ihre Prototypen und Produkte vor. Dazu gehört unkaputtbare und günstige Sensortechnologie von Zolitron für viele denkbare Use Cases von der smarten Müllentsorgung bis zur Parkplatzsuche. Blik.io ermöglicht Transparenz, Tracking und Prozessanalyse in der Logistik. Mithilfe von rise.tech erhalten Kunden maßgeschneiderten Support aus tausenden von Kilometern Entfernung, mit dem die Unternehmen Zeit und Anfahrtskosten sparen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Automatisierte Logistik- und Produktionsroboter mit Umweltwahrnehmung sind das Geschäftsmodell von Gideon Brothers aus Kroatien. Die inventAIRy-Drohne von doks.innovation automatisiert die Lagerinventur, indem sie Regalreihen abfliegt und Barcodes scannt. Leider darf sie an diesem Tag in der Maschinenhalle aus Sicherheitsgründen nicht fliegen. In kleinen Barcamps können die Teilnehmer zum Abschluss mit den Startups und den Keynote-Speakern ihre Ideen, Geschäftsmodelle und deren Skalierung diskutieren.

Nach dieser Menge an Input lohnt es sich, den Abend auf dem Indoor-Weihnachtsmarkt ausklingen zu lassen. Inzwischen ist es draußen dunkel und kalt geworden, das Feuerbecken vor der Tür hingegen lodert und wärmt. Schummerig blinken die Lichterketten in der Maschinenhalle. Bei Würstchen, Crêpes und Glühwein lässt es sich aushalten. Einige Teilnehmer sitzen netzwerkend im Sofakreis, andere tanzen ausgelassen zur Live-Musik. Der Deep Dive ist vorbei; Es ist Zeit, wieder aufzutauchen.

Die Veranstaltungsreihe „Maschinenhalle“ setzt sich mit digitalen Megatrends und Technologien auseinander, die uns schon heute nachhaltig beeinflussen. Schacht One bietet damit Mitarbeitern aus den Haniel-Geschäftsbereichen die Möglichkeit, sich mit externen Meinungsführern und Spezialisten auszutauschen.