Haniel

Die digitale Revolution dreht sich um den Menschen

04.05.2016

Wie verändert die Digitalisierung die Welt, in der wir leben und arbeiten? Antworten darauf gab ein Seminar der Haniel Akademie. Wie der Experte die Entwicklungen einschätzt:

Im Seminar „Alles Digital oder was?! – Die digitale Entwicklung im Unternehmen verstehen“ am 14. und 15. April in der Haniel Akademie informierten sich zehn Mitarbeiter aus der Haniel-Gruppe über aktuelle Trends und Entwicklungen im digitalen Bereich und lernten, was die Veränderungen der digitalen Transformation für Unternehmen, Arbeitsweisen und sie selbst bedeuten.

Geleitet wurde das Seminar von Ahmet Acar, Head of Innovation der Berlin School of Digital Business. Er hat bereits diverse Innovationsprojekte bei SAP, Google und General Electric eingeführt. Im Interview erklärt er, welche Auswirkungen die digitale Transformation auf die Arbeitswelt hat und wie Haniel seine Potenziale nutzen kann.

Digitalisierung, digitale Transformation – was bedeuten diese Schlagworte überhaupt?
Es sind eigentlich zwei Dinge: Digitalisierung beschreibt eine technologische Entwicklung, vergleichbar mit der industriellen Revolution. Unsere Möglichkeiten, Informationen aufzunehmen, zu verarbeiten oder zu erstellen steigen exponentiell, da die Technologie sich weiterentwickelt und sich immer mehr Menschen miteinander vernetzen. Allein in den letzten 20 bis 30 Jahren haben wir mehr Informationen dokumentiert als in den 50.000 Jahren davor. Und das, obwohl wir noch ganz am Anfang stehen. Noch nicht einmal die Hälfte der Menschheit ist momentan vernetzt. Die digitale Transformation beschreibt die Auswirkungen, die die technologische Veränderung auf die Wirtschaft, die Arbeitswelt und die Gesellschaft hat. Im Unternehmenskontext bedeutet das, dass sich das Selbstverständnis von Unternehmen und Führung, aber auch der Mitarbeiter, verändert und dass sich die Arbeitsprozesse und die Infrastruktur innerhalb von Unternehmen wandeln. Das hat Auswirkungen auf die Beziehungen zu Geschäftspartnern und Kunden. Es ist also nicht nur die Technik, sondern in erster Linie das, was sich in der Interaktion der Menschen verändert.

Welche Auswirkungen hat dieser Prozess auf die Arbeitswelt?
Da gibt es zwei extreme Möglichkeiten: Die eine wäre, dass es keine klare Trennung zwischen Arbeit und Privatleben mehr geben wird und die Unternehmenswelt demokratischer wird, also vor allem Mitarbeiter entscheiden, mitgestalten und das Unternehmen lenken werden. Die andere Alternative wäre, dass die digitale Macht genutzt wird, um Mitarbeiter zu manipulieren und dirigieren. Also entweder haben wir eine utopische Vision mit viel Offenheit, Transparenz und ehrlicher Kommunikation oder ein autokratisches System mit Überwachung wie bei Big Brother.

Und was halten Sie für wahrscheinlicher?
Vermutlich werden wir irgendwo in der Mitte landen, in manchen Bereichen auf der einen, in manchen mehr auf der anderen Seite. Unternehmen müssen also schauen, dass sie eine Mischung hinbekommen, die sie auch wirklich haben möchten.

Welche Kompetenzen bleiben denn dabei überhaupt Menschen vorbehalten?
Ich glaube, es wird viel mehr von Soft- und Hardware erledigt werden, als die meisten es sich vorstellen können. Ich denke aber nicht, dass das ein allzu großes Problem sein wird, weil man jetzt schon sieht, dass zunehmend andere Fähigkeiten und Werte von Bedeutung sind. Ich muss zum Beispiel nichts mehr wissen, ich muss nur danach suchen können, denn das Internet weiß viel mehr als ich. Und ich muss bestimmte Dinge nicht mehr umsetzen, weil Software das automatisch kann. Das heißt, mir bleibt nur noch die zwischenmenschliche Interaktion oder die technische Fachkompetenz, alles andere wird mehr oder weniger automatisiert. All das, was bisher als Soft Skills abgetan wurde, also Kommunikation und die Fähigkeit, mit anderen zusammen zu arbeiten und Empathie zu empfinden oder ihre Perspektive einzunehmen, wird nach und nach zu den Hard Skills.

Wie kann ich mich als Mitarbeiter darauf vorbereiten? Muss ich programmieren lernen?
Nein, wenn man keinen technischen Hintergrund hat, muss man sich den nicht unbedingt erarbeiten. Pflicht für jeden ist nur, den Umgang mit neuen Technologien zu lernen und zu verstehen, welche Denk- und  Vorgehensweisen dahinterstehen. Außerdem die sozialen Fähigkeiten auszubauen: Also die Art, wie man kommuniziert und zusammenarbeitet, verbessern. Da fehlt es oft am Arbeitsplatz. Oder man geht in Richtung Design und eignet sich konzeptionelle Fähigkeiten an, denn auch die werden noch sehr lange nicht von Computern erledigt werden können. Wenn man bereits einen technischen Hintergrund hat, sollte man möglichst viel über andere Technologien lernen und diese für Innovationen in seinem Bereich nutzen.

Wo sehen Sie die Potenziale der Digitalen Transformation für Haniel?
Die Gruppe ist sehr divers aufgestellt, das sollte Haniel nutzen indem sich die Unternehmen untereinander stärker vernetzen. Also Informationen teilen, gemeinsame Diskussionen führen und Silos aufbrechen. Dafür müssen aber auch die technologischen Möglichkeiten geschaffen werden, zum Beispiel über WhatsApp oder interne soziale Netzwerke – damit Haniel weiß, was Haniel eigentlich weiß.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Wo steht die deutsche Wirtschaft in zehn Jahren?
Ich denke, es passiert schon sehr viel im Bereich Digitalisierung, auch wenn wir etwas spät angefangen haben. Aber wenn man sich in Deutschland erst mal was in den Kopf setzt, dann funktioniert das meistens auch. Ich denke insofern nicht, dass die Unternehmen in dem Maße abgehängt werden, wie manche ankündigen. Da werden wir aufholen können und sogar zum Vorreiter in einigen Bereichen aufsteigen. Ich fürchte nur, dass wir gesellschaftlich abgehängt werden könnten, weil die Transformation in Bildung und Politik noch nicht angekommen ist. Jedes Kind sollte die nötigen Fähigkeiten erlernen; dafür muss viel mehr in Bildung investiert werden. Denn die Fachkräfte, die wir in zehn Jahren brauchen, müssen wir heute ausbilden. Die Wirtschaft kann sich immer noch Personal aus anderen Ländern holen, aber das  können wir als Gesellschaft nicht.