Haniel

50 Jahre voller Geschichten

22.08.2019

Es braucht Zeit, eine eigene Identität auszubilden. Das Haniel Museum widmet sich seit 50 Jahren der Aufgabe, die Identität des Unternehmens aus der Geschichte herauszufiltern und sie an künftige Generationen weiterzugeben.

Seit 1917 besteht eine strikte Trennung zwischen der Familie Haniel als Eigentümerin und dem operativen Tagesgeschäft. Ein Großteil der Familie besaß in der Folge keine Berührungspunkte mit dem Unternehmensalltag. Unweigerlich stellten sich im Laufe der Zeit die Fragen: Wie kann es gelingen, die Bindung zum Unternehmen trotzdem aufrechtzuerhalten? Wie lässt sich die nächste Generation der Familienmitglieder für Haniel begeistern?
Neben ersten Jugendtreffen rückte in den 1960er Jahren auch die gemeinsame Geschichte von Unternehmen und Familie in den Blick: In Herkunft, Tradition und Werten ließ sich ein gemeinsamer Nenner finden. Die Aufbereitung der Unternehmens- und Familiengeschichte sollte den nötigen Zusammenhalt sichern; eine allgemein verbindliche Identität stiften. Anlass für eine erste Ausstellung bot Franz Haniels 100. Todestag im April 1968. Die Idee des Haniel Museums war geboren.

Ein Personaler als Museumsleiter
Familie und Management zeigten sich einig: In einem Teil des Packhauses – das damals noch Büros und Salonräume beherbergte, in welchen Vorstand und Familie zu Mittag essen konnten – sollte ein kleines Museum eingerichtet werden. Zur Gesellschafterversammlung 1969 eröffnete es den Gesellschaftern erstmalig einen tiefergehenden Blick in die eigene Geschichte. Karl-Georg Dlugos (1928-2019), kein Wissenschaftler, sondern ein geschichtlich interessierter Haniel-Mitarbeiter aus der Abteilung Reedereikasse und Lohnabrechnung, nahm sich dieser Aufgabe an. Er widmete sich seiner Abteilung entsprechend vorrangig der Geschichte der Haniel-Schifffahrt und -Reederei. Seine weitreichenden Kontakte zu ehemaligen Haniel-Mitarbeitern und -Kapitänen kamen ihm beim Aufbau der Sammlung zugute. Die Exponate begannen sich bald in den kleinen Räumen zu stapeln. Mitarbeiter wie Externe erhielten auf Anfrage Zugang zum Museum und tauchten mit Dlugos in mehrstündigen Führungen mit anschließendem Kaffeetrinken in die Haniel-Geschichte ein. Nach rund 25 Jahren als Museumsdirektor ging er 1993 in den Ruhestand.

Die Sammlung wächst
Dr. Bernhard Weber-Brosamer, eigentlich ein Indologe, wurde zu Dlugos‘ Nachfolger bestimmt. Anlässlich des 275-jährigen Jubiläums des Rhein-Ruhr Hafen Duisburg, konzipierte er die Sonderausstellung „Duisburg und der Rhein“ im Kultur- und Stadthistorischen Museum, wodurch Haniel auf ihn aufmerksam wurde. Nach einer weiteren Tätigkeit in der Sammlung Köhler-Osbahr trat er die Stelle als Museumsdirektor an. Wissenschaftliche Professionalisierung prägte seine Direktorenzeit. So erarbeitete er ein didaktisches Konzept, katalogisierte die Exponate in einem Datenbanksystem und schuf die Dauerausstellung, die heute noch im Museum zu besichtigen ist. Wichtigster Bestandteil seiner Geschichtsvermittlung waren die Themenräume, die er durch gezielte Zukäufe wie beispielsweise zeitlich passendes Mobiliar ausgestaltete. Zudem pflegte Weber-Brosamer Kontakte zu verschiedenen Mitgliedern der Haniel-Familie, die ihm Memorabilien für das Museum schenkten und somit halfen, die Sammlung zu vergrößern. Sein Ziel: Mitarbeiter und Familie für die Unternehmensgeschichte – und damit auch für ihre eigene – zu sensibilisieren.Gleichzeitig war es ihm ein Anliegen, Nebenaspekte der Geschichte wie beispielsweise Künstler aus den Reihen der Familie zu beleuchten. In Weber-Brosamers Zeit wechselte das Museum von der Haniel-Immobilienverwaltung in den Bereich der Kommunikation. Zur Jahrtausendwende wurde das Packhaus umfassend saniert und renoviert. Das Museum durfte sich auf die ehemaligen Salonräume ausdehnen und nahm nun einen Großteil des Gebäudes ein. Zum 250-jährigen Jubiläum der Firma Haniel erstellte Weber Brosamer schließlich zusammen mit Dr. Ulrich Kirchner eine umfassende Firmenchronik.

Das Digitale hält Einzug
Bereits kurz vor dem Jubiläum beschäftigte das Museum erstmals externe Gästeführer auf Honorarbasis. Die Nachfrage nach der Haniel-Geschichte stieg deutlich im Kulturhauptstadtjahr 2010. Zeitgleich läuteten Audioguides die multimediale Geschichtsvermittlung ein. Mit Gründung der ZA Gesellschafter (damals noch Gesellschafter und Nachhaltigkeit) Anfang 2012 zog das Museumsbüro samt der neuen Leiterin Daniela Stemmer-Kilian in die „Villa“. Dort stellt es bis heute ganz im Sinne seiner Konzeption eine Schnittstelle zwischen Unternehmen und Familie dar.
Seit 2013 ist Marco Heckhoff für das Museum verantwortlich. In seine Zeit fällt die Einrichtung eines Sonderausstellungsbereichs, der 2016/17 mit einer Ausstellung zum Thema Nachhaltigkeit eingeweiht wurde. Technische Modernisierung hat er sich auf die Fahnen geschrieben: Mit ersten Maßnahmen wie der Einführung von iPads und Apple TV sowie dem Besuchermanagement über OneNote bricht nach fast 50-jährigem Bestehen ein neues, digitales Zeitalter für das Haniel Museum an. Und in diesen Kontext passt auch das digitale Geschichts-Wiki zur Unternehmensgeschichte, das in einer abteilungsübergreifenden Kooperation auf Grundlage der Chronik entstanden ist.

Das Haniel Museum öffnet einmal im Monat werktags und einmal im Quartal samstags seine Türen für alle Interessierten. Schulklassen können Sonderführungen außerhalb dieser Zeiten erhalten. Die nächsten Termine erfragen Sie bitte bei Sandra Sikorra (0203/806-231).