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Summen statt Brummen

08.01.2013

Elektrofahrzeuge schonen die Umwelt. Deshalb ergänzen seit kurzem zwei Elektro-Lkw den Fuhrpark der CWS-boco. Doch wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Lastwagen?

Aus Erfahrung gut

Die Geschichte der Elektro-Fahrzeuge reicht über 150 Jahre zurück. Bereits 1839 wurde das erste Elektrofahrzeug von Robert Anderson in Aberdeen konstruiert. Das erste deutsche Elektroauto baute 1888 die Coburger Maschinenfabrik A. Flocken. Was viele nicht wissen: Selbst Ferdinand Porsches erster Wagen wurde mit Strom betrieben, und im Fuhrpark des Deutschen Kaisers Wilhelm II. befanden sich unter fünfzehn Wagen auch drei Elektroautos. Vor allem zur Jahrhundertwende waren Elektroautos auf den Straßen äußerst präsent. Ihr Niedergang begann ab den 1910er Jahren. Das lag vor allem in der Erfindung des Anlassers für Benzinmotoren, der das Fahren viel bequemer machte. Außerdem war Öl in diesen Zeiten sehr billig.

Sauber bleiben!

Steigende Spritpreise und die Auswirkungen auf Umwelt und Klima stellen die Frage nach einer Alternative zum Verbrennungsmotor – vor allem in der Transportwirtschaft. Denn rund 30 Prozent der durch den Verkehr verursachten CO2-Emissionen gehen laut Statistischem Bundesamt auf das Konto von Lkw. Kein Wunder also, dass sich auch CWS-boco Gedanken dazu gemacht hat, wie man umweltfreundlicher fahren kann. Mit der Teilnahme am Forschungsprojekt „ELMO – Elektromobile Urbane Wirtschaftsverkehre“ hat das Unternehmen zwei elektrisch betriebene 7,5-Tonner in ihren Fuhrpark aufgenommen. Hergestellt wurden sie von der britischen Firma Smith Electric Vehicles. Wo aber liegen genau die Unterschiede zu einem herkömmlichen Lkw?

Die Batterie

Im Gegensatz zu Hybridfahrzeugen kommen die Elektrofahrzeuge von Smith völlig ohne Benzin aus. Sie werden mit einem Lithium-Ionen-Akku angetrieben. Dabei sind bis zu drei Batterien mit an Bord: eine für den Betrieb, eine Startbatterie und eine Extrabatterie für die elektrische Ladeklappe. Die Kapazität der Hauptbatterie ist variabel. Das Modell Newton, das bei CWS-boco im Einsatz ist, fährt mit einer 80 Kilowatt-Batterie. Zehn Jahre soll der Akku halten und dabei bis zu 2.000 Ladevorgänge durchlaufen können. Denn jeden Abend muss der Laster an die Steckdose, die eigens für diesen Zweck auf dem Firmengelände verbaut wurde. In sechs bis acht Stunden ist der Wagen dann wieder einsatzbereit. Und damit sich die CO2-Bilanz auch wirklich sehen lassen kann, bezieht CWS-boco seit Beginn des Jahres 2013 ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien.

Das Cockpit

Das Fahrerhäuschen des Newton erinnert ein wenig an ein Flugzeug. Einen Schalthebel sucht man hier vergeblich und auch die Handbremse ist erst auf den zweiten Blick als solche erkennbar. Stattdessen: Joysticks in der Mittelkonsole, rote Kippschalter und über dem Fahrer ein Monitor für die Ladestandanzeige. „Der Wagen fährt sich eigentlich wie ein Automatik-Fahrzeug“, erzählt mir Fahrer Ingo Müller vom Berge. „Ich habe ein Gas- und ein Bremspedal, und sobald ich die Bremse loslasse, fährt der Laster los. Ansonsten unterscheidet sich der Brummi nicht von anderen.“

Die Reichweite

Bis zu 120 Kilometer Reichweite hat der Laster laut Herstellerangaben. Doch die Leistung ist stark von äußeren Einflüssen abhängig. Ladegewicht, Fahrgeschwindigkeit, Steigungen auf der Strecke und Umgebungstemperatur wirken sich auf die Reichweite aus. „Jetzt, im Winter, ist im Durchschnitt nach 80 Kilometern Schluss“, erzählt mir Ingo Müller vom Berge aus seiner täglichen Praxis. „Ich schaue immer, dass ich energiesparend fahre, damit ich alle Kunden meiner Tour beliefern kann.“ Das bedeutet, dass Müller vom Berge innerorts selten mehr als 35 km/h fährt, und auch auf Autobahnen höchstens 80 Stundenkilometer erreicht. Und nicht nur das: Ähnlich wie ein Hybrid-Auto fährt auch der Elektro-Lkw mit Bremsenergie-Rückgewinnung. Das heißt, dass sich der Akku bei jedem Bremsvorgang ein Stück weit wieder auflädt. Bis zu 20 zusätzliche Kilometer sind durch eine entsprechende Fahrweise dazuzugewinnen. Fahren mit einem Elektro-Fahrzeug will also gelernt sein und erfordert das Mitdenken des Fahrers. Eigens dazu bietet das Unternehmen Smith seinen Kunden ein Training an, das mit den Eigenheiten eines Elektro-Antriebs vertraut machen soll. Trotzdem eignen sich die Fahrzeuge nur für Nutzer, die immer die gleichen Routen abfahren, denn ein Aufladen zwischendurch ist nicht möglich.

Die Geräuschkulisse

Der wohl offensichtlichste Unterschied zwischen einem strombetriebenen und einem herkömmlichen Lkw ist seine Lautstärke. Das merkt man schon beim Anlassen: Ein kurzes „Tick – tick – tick“, danach ein kurzes Summen wie beim Schließen einer U-Bahn-Tür – das war’s. Und tatsächlich, nicht nur in der Fahrgastzelle hört man nichts, auch auf der Straße ist der Elektro-Laster kaum wahrzunehmen. „Vor allem in Fußgängerzonen muss man aufpassen, weil die Fahrzeuge so extrem leise sind", meint Ingo Müller vom Berge. „Eigentlich müsste man künstliche Geräusche einbauen.“ Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten ist der Lkw akustisch nicht auszumachen, weil dann noch nicht mal die Abrollgeräusche der Reifen zu hören sind.