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Haniel

Neue Perspektiven für Prosper-Haniel

09.02.2021

Die Stilllegung des Bergwerks Prosper-Haniel im Dezember 2018 besiegelte das Aus der deutschen Steinkohleförderung. Inzwischen läuft der Rückbau der Industrieanlage auf Hochtouren – Ziel ist eine Umnutzung des 16 Hektar großen Areals im Projekt "Freiheit Emscher"

Die Stilllegung des Bergwerks Prosper-Haniel im Dezember 2018 besiegelte das Aus der deutschen Steinkohleförderung. Auf den Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier folgten umfangreiche Aufräumarbeiten und schließlich das Verfüllen der Bottroper Schachtanlage mit tausenden Kubikmetern Beton. Derzeit läuft der Rückbau von Prosper-Haniel. Das 16 Hektar große Areal soll in das interkommunale Entwicklungsprojekt „Freiheit Emscher“ integriert werden.

Haniel und das letzte aktive Steinkohle-Bergwerk der Bundesrepublik verbinden unverkennbar eine gemeinsame Geschichte – etwa dank Namensgeber Franz Haniel oder dem späteren Bergwerksdirektor Klaus Haniel.

Der Verbund

Bei der Zeche Prosper-Haniel handelt es sich um ein Verbundbergwerk der Zechen Prosper und Franz Haniel. Die Anfänge der Zeche Prosper reichen bis ins Jahr 1856 zurück. Die Zeche Franz Haniel ist jüngeren Datums und hängt mit dem Bestreben der Gutehoffnungshütte (GHH) zusammen, ihre Kohlenbasis auszubauen. Nach dem Ersten Weltkrieg plante die GHH eine weitere Schachtanlage, die den Namen des 1916 verstorbenen langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Franz Haniel (1842-1916) erhielt. 

Die Ursprünge dieser Anlage gehen auf das Jahr 1921  zurück, als mit dem Abteufen des ersten Schachts begonnen wurde. Technische Schwierigkeiten, die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg verhinderten jedoch die Aufnahme der Förderung. Erst 1952 konnte die Schachtanlage den Betrieb aufnehmen. Verantwortlich war der 1916 in München geborene Bergassessor Klaus Haniel, der drei Jahre später Bergwerksdirektor der Zeche Franz Haniel wurde.

Der Namensgeber

Benannt ist die Zeche nach Franz Haniel junior (1842-1916), dem einzigen Sohn von Hugo Haniel und damit Enkel des „alten“ Franz Haniel. An ihn erinnert auf dem Zechenplatz eine 1941 von Georg Kolbe gefertigte Büste des Namensgebers, eine Leihgabe der Familie Haniel.

Zwischen 1873 und 1882 sowie von 1888 bis 1916 war Franz Haniel Mitglied des Aufsichtsrats der JHH-Nachfolgefirma Gutehoffnungshütte (GHH). Er wurde 1895 zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der GHH gewählt. Außerdem war er Vorsitzender des Grubenvorstandes der Zeche Neumühl. Große Verdienste erwarb sich Franz Haniel beim Ausbau des Haniel’schen Zechenbesitzes. Auch zu Lebzeiten wurde der Unternehmer vielfach geehrt. Der Preußen-König Wilhelm II. ernannte ihn 1894 zum Geheimen Kommerzienrat – ein Ehrentitel für Kaufleute, die sich um das Gemeinwohl verdient gemacht hatten. Außerdem erhielt er eine Berufung ins Preußische Herrenhaus (erste Kammer des Preußischen Landtages) auf Lebenszeit.

Anfang vom Ende

Die Kohlekrise führte im Jahre 1968 zur Bildung der Ruhrkohle AG, bei der die verbliebenen Bergwerksunternehmen ihre Zechen einbrachten. Diese Einheitsgesellschaft sollte die Steuerung übernehmen und verhindern, dass Bergwerke wahllos geschlossen werden.

Für die Bottroper Anlagen bedeutete das weitere Zusammenschlüsse. Bereits zu Beginn des Jahres 1965 war das Bergwerk Franz Haniel mit Jacobi in einen Verbund überführt worden. Die verbliebenen Prosper-Zechen bildeten Anfang 1973 ebenfalls einen Verbund. Aus diesen beiden entstand zum 1. April 1974 das Verbundbergwerk Prosper-Haniel. Dieses setzte sich somit aus insgesamt sieben ehemals eigenständigen Anlagen zusammen.

Prosper-Haniel galt zeitweise als die modernste Zeche der Welt. Im letzten Jahr des Abbaus fördern dort noch 2.600 Bergleute 2,5 Millionen Tonnen Steinkohle. Dies ist eine verhältnismäßig geringe Menge: Im Jahre 1957, vor Beginn der Kohlekrise, bauten ca. 600.000 Bergleute an Rhein und Ruhr noch über 123 Millionen Tonnen Kohle ab. Seit Aufnahme der Förderung haben die Bottroper Bergwerke mehr als 300 Millionen Tonnen Steinkohle gewonnen.

Neues Quartier über der Kohle

Der Rückbau von Prosper-Haniel wird die RAG Montan Immobilien voraussichtlich noch bis Ende 2022 beschäftigen. Dabei gilt es unter anderem, die anfallenden Reststoffe nach Materialart zu trennen und belastetes Material ordnungsgemäß zu entsorgen. Ziel des Rückbaus ist eine Nutzbarmachung des Geländes für Generationen von Privat- und Gewerbemietern. In dem urbanen Zentrum „Freiheit Emscher“ sollen darüber hinaus Grünflächen und Freizeitangebote am Wasser entstehen.

Luftaufnahmen des Bergwerks Prosper-Haniel finden Sie auf dem YouTube-Kanal "Drohnixel".

Quelle des Titelbilds: RAG Montan Immobilien GmbH