Pressemitteilung

Haniel behauptet sich in der Krise

26.04.2010

Konjunkturverlauf wirkte sich 2009 unterschiedlich stark auf die Geschäfte der Unternehmensbereiche aus

 

  • Haniel erzielt Ergebnis vor Steuern in Höhe von 160 Millionen Euro.
  • Unternehmensbereiche kompensieren einen Teil der umsatz-bedingten Ergebnisrückgänge durch straffes Kostenmanagement.
  • Verschuldungsabbau im Vorjahr wirkt sich positiv auf Ergebnis aus.
  • Konzern hat Investitionsvolumen planmäßig reduziert und voll-ständig aus dem Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit finanziert.
  • Erfolgreich Anleihen über 1,4 Milliarden Euro begeben.

Duisburg, 26. April 2010. Die Weltwirtschaft hat 2009 die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt. In diesem schwierigen Umfeld hat sich das diversifizierte Haniel-Portfolio bewährt: ELG und TAKKT sind direkt von der Konjunktur beeinflusst, während Celesio davon vergleichsweise unabhängig ist, und CWS-boco erst spät betroffen war. „Dadurch waren wir in der Lage, die Folgen der Krise im Konzernverbund auszubalancie­ren“, erläutert Haniel-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Jürgen Kluge. Er rechnet damit, dass die Erholung der Weltwirtschaft langsam fortschreitet und die Wirtschaftsleistung in den kommenden Jah­ren deutlich niedriger als vor der Krise ausfallen wird. „Immerhin haben wir nun einen deutlich klareren Blick auf die Zukunft der Weltwirtschaft und können wieder um­schwenken auf langfristige, vorausschauende Aktionen.“

Schwache Konjunktur führt zu Umsatzrückgang

Der Umsatz von Haniel lag mit 24.524 Millionen Euro 5 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Die Geschäftsentwicklung von ELG war insbesondere im ersten Halbjahr deutlich von der Wirtschaftskrise gekennzeichnet. In der zweiten Jahreshälfte stiegen die Ausgangstonnage und der Nickelpreis wieder an. Im Gegensatz zu ELG verbesserte sich die Geschäftsentwicklung bei TAKKT im zweiten Halbjahr kaum. 2009 sank der Umsatz operativ um rund 26 Prozent. Dieser Rückgang – der stärkste in der Geschichte des Unternehmensbereichs – ist vor allem auf die gesunkene Auftragszahl zurückzuführen. CWS-boco ver­zeichnete ebenfalls einen niedrigeren Umsatz, da sich vor allem das Geschäft im Bereich Mietberufskleidung verschlechterte. Darüber hinaus gab es in Irland erhebliche Einbußen beim Servicegeschäft mit Flachwäsche für Hotels. In den anderen Sparten von CWS-boco blieb das Geschäft vergleichsweise stabil. Celesio hat den Umsatz leicht gesteigert – insbesondere im Segment der verschreibungsp?ichtigen Arzneimittel, in dem Celesio den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet.

Striktes Kostenmanagement

Aufgrund der Umsatzeinbußen bei ELG, TAKKT und CWS-boco ist das Operative Ergebnis deutlich auf 289 Millionen Euro zurückgegangen. Zusätzlich belastet wurde es durch die Geschäftsentwicklung von CWS-boco in Irland und die dort durchgeführten Restrukturierungsmaßnahmen. Durch straffes Kosten­management und die Anpassung ihrer Kapazitäten an die gesunkene Nach­frage ist es den Geschäftsbereichen und Beteiligungen gelungen, diese negativen Effekte teilweise zu kompensieren. Auch die vergleichsweise stabile operative Ertragskraft von Celesio trug dazu bei, dass das Ergebnis von Haniel 2009 in einer äußerst schwierigen konjunkturellen Lage und trotz außerordentli­cher Wertanpassungen in Höhe von 294 Millionen Euro nicht noch stärker gesunken ist.

Der Ergebnisbeitrag, den Haniel aus der Metro-Beteiligung erhielt, lag mit 105 Millionen Euro unter dem des Vorjahres. Ursachen waren das im Vergleich zu 2008 schlechtere Operative Ergebnis, ein niedrigeres Finanzergebnis und ein höherer Steueraufwand.

Investitionsvolumen gekürzt

Mit Blick auf die weltweite Rezession hatten die Geschäftsbereiche und Beteiligungen schon 2008 vorsorglich ihre Investitionsprogramme für 2009 gekürzt: Mit 180 Millionen Euro ?el das Investitionsvolumen für Unternehmens­erwerbe deutlich niedriger aus als der Vorjahreswert. Gleichwohl wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr gezielt Möglichkeiten für attraktive Akquisitionen genutzt. So hat Celesio das Unternehmen Panpharma übernommen – die Nummer eins im brasilianischen Pharmagroßhandel – und den Anteil am welt­weit tätigen Personal- und Marketingdienstleister pharmexx aufgestockt. Zudem akquirierte TAKKT mit Central Restaurant Products einen US-Versandhändler für Restaurantausstattung. Die Investitionen wurden vollständig aus dem Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit finanziert, der bei 712 Millionen Euro lag.

Finanzierung diversifiziert

Der Aufwand für die Finanzierung bei Haniel hat sich 2009 verringert. Neben den gesunkenen Marktzinsen wirkte sich vor allem positiv aus, dass Haniel im Jahr 2008 rund 1 Milliarde Euro Verbindlichkeiten getilgt hatte – im Wesentlichen durch den Verkauf des Unternehmensbereichs Xella. Um trotz der Unsicherheiten an den Kapitalmärkten ?nanziell ?exibel zu bleiben, hat Haniel 2009 die Finanzierung diversi?ziert: Im Oktober 2009 begab die Konzern-Holding Franz Haniel & Cie. GmbH eine fünfjährige Euro-Benchmark-Anleihe. Diese wurde vor allem gezeichnet von Fondsgesellschaften, Banken – oft zum Weiterverkauf an private Investoren – und Versicherungen. Die Nach­frage überstieg das Gesamtvolumen von 1,0 Milliarden Euro um ein Vielfaches. Dies deutet Haniel als Zeichen dafür, dass die Fremdkapitalgeber die Struktur des Beteiligungsportfolios und die Investitionsprinzipien von Haniel positiv bewerten.

Verantwortungsvoller Arbeitgeber

Als Unternehmen in Familienbesitz stellt sich Haniel der Verantwortung gegen­über den Mitarbeitern: In der schwierigen konjunkturellen Lage wurden viele Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Beschäftigung zu sichern. In Deutschland hat zum Beispiel TAKKT das Instrument Kurzarbeit intensiv genutzt, um Arbeitsplätze zu erhalten. Zudem waren die Mitarbeiter in allen Unternehmens­bereichen aufgefordert, ihre Überstunden abzubauen und angefallenen Urlaub zu nehmen. Diese Maßnahmen reichten jedoch nicht überall aus, um die Kapazitäten an die negative Geschäftsentwicklung anzupassen. Insbesondere bei ELG und TAKKT mussten infolge von Auftragsrückgängen und Standort­schließungen Stellen abgebaut werden. Trotz des Stellenabbaus hat sich die durchschnittliche Mitarbeiterzahl bei Haniel im vergangenen Jahr erhöht – vor allem aufgrund der Übernahme von Panpharma durch Celesio.

Strategieprozess eingeleitet

Der Haniel-Vorstand schaut vorsichtig optimistisch auf das bevorstehende Geschäftsjahr. Er geht davon aus, dass Umsatz- und Ergebnis operativ steigen werden. Die Finanzierungs- und Verschuldungssituation hat Haniel bereits im Januar 2010 erneut verbessert – durch die Begebung einer weiteren Anleihe, die siebenfach überzeichnet war. Darüber hinaus hat der Vorstand zu Beginn des Jahres den Strategieprozess „Haniel 2020“ eingeleitet: Eines der Haupt­themen dieses Projektes ist es, attraktive Investitionsziele zu identifizieren.

 

Geschäftszahlen 2009 im Überblick:

IFRS in Mio. Euro

  2008*

2009

Veränderung in Prozent

Haniel-Konzern

 

 

 

Umsatz

25.710

24.524

-5%

Operatives Ergebnis

544

289

-47%

Ergebnis vor Steuern

381

160

-58%

Ergebnis nach Steuern

126

17

-87%

Haniel-Cashflow

812

526

-35%

Cashflow aus operativer Geschäftstätigkeit

1.007

712

-29%

Investitionen

1.015

478

-53%

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt (Kopfzahl)

49.143

53.243

+8%

Celesio

 

 

 

Umsatz

21.167

21.497

+2%

Operatives Ergebnis

269

223

-17%

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt (Kopfzahl)

37.744

42.022

+11%

CWS-boco

 

 

 

Umsatz

779

750

-4%

Operatives Ergebnis

97

33

-66%

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt (Kopfzahl)

7.872

7.901

+/-0%

ELG

 

 

 

Umsatz

2.833

1.546

-45%

Operatives Ergebnis

117

40

-66%

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt (Kopfzahl)

1.113

982

-12%

TAKKT

 

 

 

Umsatz

932

732

-21%

Operatives Ergebnis

117

49

-58%

Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt (Kopfzahl)

2.143

2.064

-4%

METRO Group 
(wesentliche Beteiligung)

 

 

 

Haniel-Beteiligungsergebnis

156

105

-33%

 

*Adjustierung der Vorjahreswerte gemäß IAS 8.26 Daher können sich Abweichungen gegenüber den im Geschäftsbericht 2008 veröffentlichten Werten ergeben.