Geschichtsfenster Taufe des ersten Haniel-Schubschiffes „Franz Haniel 11“. Der Abschluss zweier langfristiger Lieferverträge über den Transport von Kalksteinen und Erzen markiert den Beginn der Schubschifffahrt bei Franz Haniel & Cie. Im Gegensatz zur Schleppschifffahrt ermöglicht die neue Transporttechnik es, die Aufträge kostengünstiger und schneller zu fahren; unter anderem weil die geschobenen Schubleichter nicht bemannt sind und der Schubverband nur eine Bugwelle erzeugt. Den ersten Bauauftrag vergibt Haniel an die Rheinwerft Walsum der Gutehoffnungshütte in Duisburg. In den nächsten Jahren nimmt das Unternehmen immer mehr Schubschiffe in Betrieb, so dass es Ende der 1970er Jahre über die größte Schubschiffflotte aller deutscher Reedereien verfügt.
Die Gesellschafterversammlung beschließt eine Satzungsänderung, die die Auflösung des Aufsichtsrats bedeutet. Dieser war am 22. Juni 1917 mit der Gründung der Franz Haniel & Cie. GmbH ins Leben gerufen worden. Gesellschafter waren die Gutehoffnungshütte (GHH) und die Zechen Neumühl, Rheinpreussen sowie Zollverein. Grund für die Auflösung ist das neue Betriebsrätegesetz, das eine Beteiligung der Belegschaft im Aufsichtsrat vorsieht. An die Stelle des alten Aufsichtsrates tritt bei Haniel eine außerordentliche Gesellschafterversammlung. Erst 1952 gibt es wieder einen Aufsichtsrat. Ihm gehören zunächst einzelne Familienmitglieder, nach Verabschiedung des Betriebsverfassungsgesetzes dann auch Arbeitnehmervertreter an.
Unfall auf Zeche Osterfeld. Bei einer Schlagwetterexplosion kommen auf der 1879 in Betrieb genommenen Zeche zwölf Menschen ums Leben. Weil das Bergwerk unter Tage mit der Zeche Oberhausen verbunden ist, sterben bei dem Unglück auch dort neun Bergleute. Die Katastrophe veranlasst die Werksleitung der Gutehoffnungshütte (GHH), die klimatischen und wettertechnischen Verhältnisse auf der Zeche durch die Montage eines leistungsfähigen Ventilators grundlegend zu verbessern. Schon 1886 nahm die neue Maschine ihren Betrieb auf.
Der Erläuterungsbericht zur Jakobus-Kirche in Ruhrort entsteht. Die Evangelische Kirche in Ruhrort wurde 1842 an der heutigen Fabrikstraße / Ecke Dr.-Hammacher-Straße errichtet. 1942 –während des Zweiten Weltkriegs – wurde sie stark beschädigt. Lange Zeit blieb ungewiss, was mit der Kirche geschehen soll. Das Gutachten vom 1. Dezember 1988 empfahl u.a. den Kirchturm zu erhalten. Haniel, als direkter Nachbar, übernahm die Kosten für die umfangreichen Restaurierungsarbeiten. 1991 erhielt der Turm wieder seine ursprüngliche Spitze mit Kupfereindeckung. Das Kirchenschiff dagegen wurde abgerissen und wich einem Kindergarten und einem Wohnhaus.
Die Haniel-Brücke wird eingeweiht. Die von Franz Haniel in Auftrag gegebene Brücke ist die erste Landverbindung zwischen Ruhrort und Duisburg. Die Haniel-Brücke wird eingeweiht. Die von Franz Haniel in Auftrag gegebene Brücke ist die erste Landverbindung zwischen Ruhrort und Duisburg. Am Heiligabend 1881 fährt erstmals eine Pferdebahn als Straßenbahn von Duisburg nach Ruhrort, 1889 wird eine Gaslaterne zur Beleuchtung aufgestellt. Ende des 19. Jahrhunderts kauft die Stadt die Haniel-Brücke und beginnt 1904 mit dem Bau einer neuen Brücke unmittelbar daneben. Seit 1907 ersetzt die Oberbürgermeister-Lehr-Brücke die Haniel-Brücke.
Hugo Haniel (1810 -1893) und Bertha Haniel (1813 - 1899) heiraten. Mit der Hochzeit des drittältesten Sohnes von Franz und der einzigen Tochter von dessen Bruder Gerhard Haniel, verbinden sich die beiden Familienstämme. Das gesamte Vermögen wird in der Familie gehalten und kann somit für die Erweiterung des Unternehmens eingesetzt werden. Hugo und Bertha Haniel setzen ihr Vermögen aber auch für wohltätige Zwecke ein. So spendet das Ehepaar anlässlich seiner Silberhochzeit im Jahr 1887 dem Haniel Krankenstift in Ruhrort 2.500 Taler. Aus der Ehe zwischen Hugo und Bertha gingen zwei Kinder hervor: Adeline (1838 - 1915) und Franz (1842 - 1916).
Die Entflechtung der Gutehoffnungshütte (GHH) beginnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg veranlassen die Siegermächte die Liquidation deutscher Großunternehmen. Die Kontrollratsgesetze sollen den deutschen Kohlenbergbau, die Großchemie, die Großbanken sowie die deutsche Eisen- und Stahlindustrie neu ordnen. Mit dem Gesetz Nr. 75 werden alle Unternehmen des Steinkohlenbergbaus und der Eisen- und Stahlindustrie unter alliierte Kontrolle gestellt. Der erste Eingriff der britischen Besatzungsmacht betrifft die GHH Oberhausen AG. Der Konzern trennt sich in der Folgezeit von seiner 42-prozentigen Beteiligung an der Franz Haniel & Cie. GmbH (FHC). Bis zum Jahr 1953 ist der einst größte Schwerindustrie-Konzern der Welt in vier eigenständige Gesellschaften aufgeteilt.
Haniel gründet die Weiacher Kies AG als Tochtergesellschaft der in Basel ansässigen Franz Haniel AG. Damit steigt Haniel in den Markt für Kiesgewinnung und –aufbereitung ein. Mit dem neuen Unternehmenszweig will das Unternehmen den rückläufigen Kohlenhandel in der Schweiz ausgleichen und unabhängig vom stark konkurrierenden Mineralölhandel werden. 1962 errichtet Haniel im Hard, in der Nähe von Weiach, ein großangelegtes Kieswerk. Als eines der ersten in der Schweiz besitzt es eine moderne Anlage, mit der Kiesabbau im großen Stil betrieben wird. Haniel verkauft 2004 die Weiacher Kies AG. Heute gehört das Unternehmen zur Schweizer Eberhard Holding AG.
In Berlin eröffnet der erste Metro-Betrieb unter Beteiligung von Haniel. 1964 – nach dem Verkauf der Brennstoffhandlung Rheinpreussen – begann sich Haniel für den Konsumgüterhandel und ganz besonders für die Metro zu interessieren. Als moderne Cash & Carry-Märkte nach amerikanischem Muster waren 1963 und 1964 die ersten beiden Metro-Märkte in Essen und Mülheim erfolgreich gestartet. Im März 1965 kommt es zu ersten Gesprächen zwischen Haniel und dem Metro-Gründer Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck und dem Generalbevollmächtigten Otto Beisheim. Das Ergebnis ist die Beteiligung von Haniel am Bau des Metro-Betriebs in Berlin-Tiergarten. Bei weiteren Metro-Märkten ist Haniel von Anfang an dabei. 1966 werden noch drei Metro-Gesellschaften in Hamburg, München und Köln gegründet. Heute hält Haniel eine Beteiligung von 34,24 % der stimmberechtigten Anteile an der Managementholding Metro AG.
Bei Osterfeld (gehört heute zu Oberhausen) geht die St. Antony-Hütte in betrieb. Sie ist die erste Eisenhütte des Ruhrgebiets und dient der Verhüttung von Raseneisenstein, einer Gesteinsart mit hoher Eisenkonzentration. 1792 übernimmt Aletta Haniel die Spedition von Eisenwaren der St. Antony-Hütte in Kommission für ein Rotterdamer Handelshaus. Bis 1795 kommen Geschäfte mit den benachbarten Hütten Neu-Essen und Gute Hoffnung hinzu. Franz und Gerhard Haniel, Gottlob Jacobi und Heinrich Huyssen kaufen zwischen 1805 bis 1808 die drei Eisenhütten und verbinden sie zur Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH), Vorgängerin der Gutehoffnungshütte AG. Das Wohnhaus der St. Antony-Hütte gehört heute zum Rheinischen Industriemuseum Oberhausen.
Nancy Friederike Cockerill wird geboren. Sie ist die Nichte des Industriellen John Cockerill. Er gilt als Pionier der belgischen Eisenindustrie und besitzt eine der bedeutenden Maschinenfabriken in Seraing bei Lüttich. In den 1830er Jahren ist die Familie Cockerill ein Konkurrent der Haniels im Dampfschiffsbau. Dies ändert sich im November 1839, als Friederike Cockerill Max Haniel, einen Sohn von Franz Haniel, heiratet. Dadurch entsteht erstmals eine wirtschaftliche Verbindung zwischen den Industriezentren des Ruhrgebiets und dem Lüttich-Aachener Raum. 1853 wird diese Verbindung durch eine weitere Ehe verstärkt: Friederikes Bruder Heinrich Cockerill heiratet Franz Haniels einzige Tochter Thusnelde.
Heinrich Arnold Huyssen stirbt im Alter von 91 Jahren. Er wurde am 4. Juli 1779 in Essen als Sohn des Senators und Bergwerkbesitzers Arnold Huyssen geboren. Zusammen mit Gottlob Jacobi, Vorsteher der St. Antony-Hütte, sowie den Brüdern Franz und Gerhard Haniel gründete er 1808 die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen (JHH), die spätere Gutehoffnungshütte (GHH). 1813 wurde Huyssen für fünf Jahre Bürgermeister von Essen. Sein Vermögen setzte er außerordentlich wohltätig ein. 1852 stiftete er ein Krankenhaus, das 1854 eingeweiht wurde und heute noch als Huyssen-Stiftung existiert. Auch schenkte er der Stadt 1865 ein Grundstück, auf dem heute die Huyssen-Allee verläuft, und ließ 1866 ein Waisenhaus bauen.
Erstmals treffen sich die Familienmitglieder zur Gesellschafterversammlung der Franz Haniel & Cie. GmbH. Zuvor waren dazu nur die Firmenvertreter und der Treuhänder der Familienanteile eingeladen. Die Familie hatte bislang kein Mitbestimmungsrecht, da aus juristischen Gründen die Anteile aus der Treuhandverwaltung nicht den einzelnen Familienmitgliedern ausgehändigt werden konnten. Dr. Alfred Haniel nutzt die Gesellschafterversammlung, um seinen Rücktritt als Aufsichtratvorsitzender bekannt zu geben. Einen Nachfolger gibt es auch schon: Sein Schwiegersohn Thuisko von Metzsch, der während seiner Amtszeit den Wandel vom Brennstoffhändler und Schifffahrtsunternehmen zum Handels-, Produktions- und Dienstleistungsunternehmen einleitet.
Das Dampfschiff Aletta Noot und die MS Oberhausen der Franz Haniel & Cie. GmbH evakuieren Deutsche aus Reval, der heutigen estnischen Hauptstadt Tallinn. Viele Millionen Deutsche verlassen ihre Heimat, werden deportiert oder von der Roten Armee vertrieben. Doch die Flucht über Land ist inzwischen unmöglich: Die Rote Armee hat Ostpreußen eingeschlossen und den Menschen bleibt keine andere Möglichkeit als der Weg über die Ostsee. Mehr als 15.000 Menschen verhilft Haniel bei den großen Flüchtlingszügen mit seinen Schiffen Aletta Noot, MS Oberhausen, MS Duisburg und MS Homberg zur Flucht.
Die Brüder Franz und Gerhard Haniel unterzeichnen mit ihren Schwägern Gottlob Jacobi und Heinrich Huyssen den Kaufvertrag der Hütte Gute Hoffnung. Darin hält sich Huyssen als Käufer fest, der eigentlich nur in Auftrag von Jacobi und den Haniels die Verhandlungen führen sollte. Er versichert jedoch umgehend einen zweiten Vertrag aufzusetzen, um ihnen die Hütte zu überschreiben. Aber Huyssen hält sein Wort nicht und setzt seinen eigennützigen Plan weiter in die Tat um: Er fordert, alle Hütten, die sich in ihrem Besitz befinden, sowie die Korn- und Ölmühle zusammenzulegen und ihn zu einem Viertel am Gesamtunternehmen zu beteiligen. Andersfalls will er in Konkurrenz zu Jacobi und den Haniels treten. So entsteht noch im selben Jahr die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen.
Die Satzung der wahrscheinlich ersten von Unternehmensseite initiierten Betriebskrankenkasse wird unterschrieben. Die Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen richtete sie für ihre Arbeiter der Ruhrorter Werft ein. 1847 gründet Franz Haniel auch in seiner eigenen Firma Franz Haniel eine „Unterstützungs-Casse für kranke Arbeiter“. Nach mehr als 150 Jahren Selbstständigkeit geht die BKK Haniel am 1. Januar 2001 in der BKK Ruhrgebiet (der heutigen BKK vor Ort) auf.
| Eduard Carp, langjähriger Leiter der OHG Franz Haniel & Co., wird geboren. Nach seinem Jurastudium ist er als Kreisrichter in Bochum tätig bis er 1880 an das Amtsgericht in Ruhrort versetzt wird. Im selben Jahr heiratet er Alma Haniel, Franz Haniels Enkelin. Das Ehepaar hat vier Kinder. Ab August 1891 ist Carp geschäftsführender Teilhaber der OHG Franz Haniel & Co. und vertritt die rechtlichen Interessen der Familie. Sein Rat ist auch in der Kommunalpolitik und der Wirtschaft gefragt – zum Beispiel als Vorsitzender des Grubenvorstandes der Zeche Zollverein. Anfang des 20. Jahrhunderts zieht Carp mit seiner Familie nach Düsseldorf-Derendorf. Er stirbt am 3. August 1924 in seinem Zweitwohnsitz in der Eifel.
Das Hanielstift in Ruhrort wird eröffnet. Es ist das einzige Krankenhaus, das in Ruhrort je gebaut wurde. Franz und Friederike Haniel stifteten es anlässlich ihrer goldenen Hochzeit im Juli 1856. Wie zu jener Zeit üblich, werden im Hanielstift nicht nur kranke, sondern auch alte und pflegebedürftige Menschen versorgt. Ab 1928 richtet das Hanielstift eine eigene Krankenpflegeschule ein. Sie unterstützen die Diakonissen, die seit der Gründung dort arbeiten. 1977 ziehen die Patienten und Mitarbeiter in die neu gebauten Städtischen Kliniken am Kalkweg in Duisburg. Das Hanielstift wird nach 115 Jahren geschlossen und das teilweise noch aus der Gründerzeit stammende Gebäude abgerissen.
Franz Haniels Bergleute stoßen im Schacht Kronprinz in Essen auf Kohle. Haniel benennt das Flöz nach seiner Nichte Bertha, die sein Sohn Hugo noch im selben Jahr heiraten wird. Das 40 Zentimeter mächtige Flöz liefert jedoch nur wenig Kohle. Grund dafür ist eine Verwerfung, das heißt ein Bruch der einzelnen Schichten, in der Nähe des Hauptschachtes. 1840 stoßen die Bergleute in 200 Metern Tiefe erneut auf ein Flöz. Doch wieder haben sie Pech: Wie sich herausstellt, handelt es sich lediglich um Esskohle, die sich nicht wie die erhoffte Fettkohle zu Hochofenkoks verarbeiten lässt.
Der Kaufmann heiratet mit 24 Jahren Maria Gertraud Roland „ob der Linggasse Kantt“, also im Eckhaus der heutigen Lintgasse in der Kölner Altstadt. Vier Kinder gehen aus der Ehe hervor. Ihr einziger Sohn Jan Willem baut später in Ruhrort ein Packhaus – die Keimzelle des Unternehmens Haniel. Darin bietet er Händlern große Lagerflächen für ihre Kolonialwaren, wie Tee oder Baumwolle. Seine Tochter Aletta heiratet 1761 den Duisburger Kaufmann Jacob Wilhelm Haniel. Mit ihm übernimmt sie nach dem Tod des Vaters das Packhaus und die damit verbundenen Geschäfte.
Die beiden Gründungsschächte der Zeche Rheinpreussen in Homberg werden auf Grund mangelnder Rentabilität stillgelegt. In den Schächten vier und fünf wird aber weiterhin Kohle gefördert. Sie werden seit 1900 mit einem neuartigen, von Zechendirektor Heinrich Pattberg entwickelten Verfahren abgeteuft, bei dem Stoßbohrer verwendet werden. Um den Verkauf und Versand der Kohle zu vereinfachen wurde – trotz Protesten des Duisburger Hafenmeisters – im Jahr 1906 mit dem Bau eines zecheneigenen Hafens begonnen. Er war einer der modernsten Häfen des Reviers und lag in unmittelbarer Rheinnähe.
| Ein neues Seeschiff läuft vom Stapel. Es wird nach Aletta Noot, der Mutter von Franz Haniel, benannt und dient als Ersatz für den in Schweden gesunkenen Dampfer „Franz Haniel“. Die Hamburger Kohlehandelsgesellschaft Haniel GmbH verlor den Dampfer 1940 auf der Reise von Stettin nach Hamburg durch einen Minentreffer. Während des Krieges büßt Haniel noch weitere Schiffe ein: Einige beschlagnahmt die deutsche Kriegsmarine, andere werden durch Angriffe schwer beschädigt oder komplett zerstört.
Jan von Haeften, langjähriger Aufsichtsratsvorsitzender von Haniel, wird in Berlin geboren. Seine Großmutter Adda Carp ist eine Ur-Enkelin von Franz Haniel. Die berufliche Laufbahn von Jan von Haeften beginnt bei der Rheinpreussen GmbH, die zur Hälfte zur Firma Haniel gehörte. 1978 wird er Mitglied des Aufsichtsrates der Franz Haniel & Cie. GmbH. Zehn Jahre später wird er zu dessen Vorsitzenden ernannt und übt dieses Amt bis 2003 aus. 1991 tritt von Haeften zusätzlich in den Verwaltungsrat der Metro Holding AG ein, an der Haniel beteiligt ist. Im Jahr 2000 übernimmt er für drei Jahre auch bei der Metro AG den Posten des Aufsichtsratvorsitzenden.
Gerhard Haniel zieht aus dem Packhaus in Ruhrort aus, das sein Großvater Jan Willem Noot 1756 als Wohn- und Kontorhaus erbaut hatte. Nach dem Tod ihrer Mutter Aletta im Jahr 1815 versteigerten die drei Geschwister Gerhard, Franz und Sophia Haniel das Anwesen samt allem Zubehör, Scheune, Hof und Garten unter sich. Für 10.000 Reichstaler erhielt Franz den Zuschlag. Nur der älteste Bruder Wilhelm bot nicht mit. Möglicher Grund: Er bekam bereits 1809 sein Erbe ausgezahlt.
Franz Haniel beantragt beim zuständigen Bergamt Düren eine Genehmigung zum Kohleabbau für das Grubenfeld Rheinpreussen in Homberg. Mit 15.577 Hektar wäre es das größte Feld des Reviers. Aber das Verfahren zieht sich. Dennoch beginnt Haniel knapp zwei Wochen später mit den ersten Bohrungen. 1854 stoßen seine Bergleute in 175 Metern Tiefe auf ein 150 Zentimeter mächtiges Flöz mit guter Fettkohle. Als die Bergbehörde 1857 endlich die Erlaubnis für den Kohleabbau erteilt, kann Haniel mit den Abteufarbeiten für die Schächte beginnen. Somit baut er als erster auf der linken Niederrheinseite Kohle ab.
Wilhelm Haniel – der älteste Bruder von Unternehmensgründer Franz Haniel – wird in Duisburg geboren. Nach der Lehre in einer Speditionshandlung in Mülheim bei Köln arbeitet er einige Jahre in verantwortlicher Position im Speditionsgeschäft seiner Mutter Aletta. Später betreibt er selbst eine Spedition, Kommission und einen Großhandel – hauptsächlich mit Wein, Öl und Kolonialwaren. Seine erste Frau und Cousine Diederike Noot stirbt bei der Geburt ihrer Tochter Sophie Friederike. Auch die zweite Ehe von Wilhelm endet tragisch: Ehefrau Sophia stirbt an den Folgen einer Entbindung.
| Die Franz Haniel & Cie. GmbH wird gegründet. Sie bündelt die Handels- und Transportinteressen der Gutehoffnungshütte (GHH) sowie die zur Familie gehörenden Zechen Neumühl, Rheinpreussen und Zollverein. Grund für die Umstrukturierung: Durch den Zusammenschluss erhalten die Zechen mehr Gewicht im Rheinisch-Westfälischen Kohle-Syndikat, einem Vertriebskartell zur Regelung des Kohleverkaufs, und können ihre Förderquoten erhöhen. Außerdem umgeht die Familie Steuerzahlungen, die nach dem Krieg für Zechen ohne Handelsfirmen fällig werden
Johanna Sophia Haniel, die fünfte Tochter von Aletta und Jacob W. Haniel, heiratet den Hüttendirektor Gottlob Jacobi. Er gilt als gute Partie, weil er ordentlich verdient und ein Haus mit einem Garten besitzt. Zusammen mit seinen drei Schwägern Gerhard und Franz Haniel sowie Heinrich Huyssen gründet Gottlob 1808 die Hüttengewerkschaft Jacobi, Haniel & Huyssen, die später zur Aktiengesellschaft Gutehoffnungshütte (GHH) wird. Aus der Ehe von Sophia und Gottlob gehen sieben Kinder hervor, von denen nur vier Söhne und eine Tochter das Erwachsenenalter erreichen.
Die Haniel Akademie, das Management Center des Unternehmens, bezieht einen Neubau am Ruhrorter Stammsitz. Zur großen Einweihungsfeier kommen zahlreiche Gäste. Dabei stellt die Geschäftsführung das neue Weiterbildungskonzept der Haniel-Gruppe vor: In Seminaren und Workshops sollen Führungs- und Fachkräfte dabei unterstützt werden, ihre persönlichen und fachlichen Kompetenzen zu stärken. Zuvor stand auf dem Gelände eine Reithalle, in der zur Zeit der Berliner Luftbrücke Kohlesäcke getrocknet und repariert wurden. Später ersetzte eine Tennishalle das baufällig gewordene Gebäude bis zum Bau der Akademie.
Aletta Haniel zieht sich nach 27 Jahren als Geschäftsfrau zurück. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie den Wein- und den allgemeinen Speditions- und Kommissionshandel weitergeführt und erweitert: Sie stieg in den Kohlehandel ein und legte somit den Grundstein für den Erfolg des Unternehmens während der Industrialisierung. Ihre Söhne Gerhard und Franz, die bereits Teilhaber der Firma sind, teilen ihr Erbe auf. Franz erhält eine Kohlehandlung, Gerhard die Anteile an einer anderen Kompanie-Kohlehandlung, in die Aletta einige Jahre zuvor als Teilhaberin eingestiegen war. Die Spedition und alle anderen Handlungsgeschäfte erhalten sie zu gleichen Teilen.
| Wilhelm Lueg, Direktor der Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel und Huyssen (JHH), verfasst ein Schreiben an den Holtener Bürgermeister Klinge. Aus diesem geht hervor, wie das Unternehmen den Arbeitern und Bürgern während der Hungersnot zur Seite steht: Alle Arbeitssuchenden erhalten eine Arbeit und niemand wird entlassen. Außerdem richtet die JHH eine Speiseanstalt ein und sorgt für die Verpflegung der Mitarbeiter bei Krankheit. Brot, Früchte und andere Lebensmittel erhalten alle Bedürftigen für ein geringes Entgelt oder sogar kostenlos. Insgesamt spendet die JHH in dieser Zeit 7.000 Reichsmark. Eine Menge Geld, denn das durchschnittliche Jahresgehalt betrug etwa 110 Reichstaler.
Der zu Haniel gehörende Pharma-Großhändler GEHE wird in Celesio AG umbenannt. Das beschließen die Aktionäre auf der Hauptversammlung mit überwältigender Mehrheit von 99,98 Prozent. Grund für die Namensänderung war die wachsende Internationalität des Unternehmens. Mit dem neuen Namen können sich alle operativen Gesellschaften als Teil eines Unternehmens verstehen. Zudem wurde der Konzern GEHE AG häufig mit dem operativen Großhandelsgeschäft, das in Deutschland und in Tschechien den Namen GEHE führt, verwechselt.
Aletta Haniel, geborene Noot, stirbt im Alter von 73 Jahren im Packhaus in Ruhrort, Duisburg. Als Todesursache verzeichnet das Kirchenbuch „Entkräftung“. Aletta heiratete im Alter von 19 Jahren Jacob W. Haniel. Während ihrer Ehe brachte sie elf Kinder zur Welt. Wegen der damaligen hohen Kindersterblichkeit erreichten lediglich vier Kinder Alettas das Erwachsenenalter. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm sie die Geschäfte und entwickelte das Unternehmen unter dem Namen J. W. Haniels seel. Wittib erfolgreich weiter. Zu dem Wein- und allgemeinen Speditions- und Kommissionshandel kam später noch der Kohlehandel hinzu. Heute trägt das Unternehmen den Namen ihres jüngsten Sohnes Franz.
König Friedrich der II. bewilligt dem Antragssteller Eberhard Pfandhöfer den Bau des Hüttenwerks „Gute Hoffnung“ bei Sterkrade. 27 Jahre später kaufen die Brüder Franz und Gerhard Haniel diese zusammen mit ihren Schwägern Heinrich Huyssen und Gottlob Jacobi. Die vier sind nun die Eigentümer von drei Hütten: Neben der Gute Hoffnungs-Hütte besitzen sie die St. Antony-Hütte sowie die Eisenhütte Neu-Essen. Als Gesellschafter schließen sie sich zusammen und gründen die „Hüttengewerkschaft und Handlung Jacobi, Haniel & Huyssen“. Diese wird später zur Aktiengesellschaft „Gutehoffnungshütte“.
|
|