Seit mehr als 255 Jahren hat die Firma Haniel ihren Sitz in Ruhrort. Aus der Kolonialwarenhandlung von einst ent wickelte sich eine International erfolgreiche Unternehmensgruppe, die mit rund 58.000 Mitarbeitern in über 30 Ländern aktiv ist. Die Entwicklung des Unternehmens ist eng mit der Geschichte Ruhrorts verknüpft. Das dokumentieren zahlreiche Unterlagen, Bilder und Gegenstände aus dem Haniel Archiv. Wir freuen uns, dass die Mitarbeiter des Archivs uns nun künftig spannende Einblicke in die Stadtteilgeschichte Ruhrorts bieten werden. Den Auftakt bildet die Gründerurkunde von Haniel.
Vor 255 Jahren erwarb der Zollbeseher Jan Willern Noot in den "Königlichen Gärten" vor den Toren Ruhrorts ein Grundstück in Erbpacht - der Besitzer war kein Geringerer als Friedrich der Große. Der Erbpachtvertrag, den der Preußenkönig am 10. Februar 1756 eigenhändig unterzeichnete, ging als "Gründerurkunde" in die Geschichte des Familienunternehmens Haniel ein. Die Urkunde erlaubte es Jan Willern Noot, noch im gleichen Jahr auf dem königlichen Grundstück das erste Haus außerhalb der Ruhrorter Stadtmauern zu errichten. ln diesem Kontorhaus (niederdeutsch pakhuis), das eine Grundfläche von 320 Quadratmetern hatte und über vier Geschosse verfügte, lebte er mit seiner Familie und bot Kaufleuten aus dem Umland große Speicherflächen für Kolonialwaren aus aller Weit an. Noot brachte so den Fernhandel an die Ruhrmündung, der bis dato mangels Lagerflächen im engen Ruhrort kaum möglich gewesen war. Die direkt vom Hafen über einen neu angelegten Stichkanal angelieferten Waren wurden mit einem Außenkran auf die Etagen des Hauses verteilt. Dort wurden sie anschließend sortiert und verpackt. Mit einem Seilzug im Inneren des Hauses konnten die Waren bei Bedarf wieder ins Erdgeschoss herabgelassen werden, wo Pferdefuhrwerke sie abtransportierten.
Generationsgeschäft
Nach dem Tod von Jan Willern Noot 1772 zog seine Tochter Aletta zurück in das Elternhaus - mit ihrem Ehemann,
dem Duisburger Weinhändler Jacob Willleim Haniel, und vier Kindern. Gemeinsam betrieben sie eine allgemeine Spedition und handelten mit Wein. Als Jacob starb, führte Aletta das Geschäft alleine fort und weitete den Handel auf Eisenprodukte der Region aus. 1816 ging das Haus in den alleinigen Besitz ihres jüngsten Sohnes Franz Haniel über, der die Firmenaktivitäten deutlich ausweitete: Er stieg in die Eisenund Stahlindustrie ein und war später auch im Bergbau aktiv. Damit nahm die Bedeutung des Lagergeschäfts ab und das Packhaus diente zunehmend als Wohn- und Bürogebäude.
1868 starb Franz Haniel im Gründerhaus. Er war der letzte Familienangehörige, der dort gewohnt hatte.
Das Packhaus wurde nun für viele Jahrzehnte zum Verwaltungssitz der Haniel Betriebe.
Heimat des Haniel-Museums
Wie durch ein Wunder blieb das historische Packhaus während der Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges nahezu unversehrt. Nach Kriegsende diente es sogar als Notunterkunft für ausgebombte Betriebsangehörige sowie als Zwischenunterkunft der Landeszentralbank. 1969 wurden im alten Packhaus erstmals Erinnerungsstücke aus der Firmengeschichte ausgestellt, nach und nach entstand das heutige Haniel Museum. 2003 restaurierte Haniel das Gebäude grundlegend und sicherte so die alte Bausubstanz. Auf drei Etagen erleben Besucher, wie sich das Familienunternehmen zur internationalen Unternehmensgruppe entwickelte. Zu sehen gibt es Originalschriftstücke, historische Möbel sowie liebevoll restaurierte Wohnund Arbeitsräume.